Nicht jeder kommt auf die üblichen Wege zum Ziel. Bei mir war es weder ein Erbstück aus der Verwandtschaft noch eine Überredungskunst eines Bekannten. Nein im Gegenteil. Mein erstes Auto war ein Peugeot 205, gekauft um damit zu fahren. Oberste Devise: Ich will niemals an meinem Auto rumschrauben müssen, es muss fahren und mehr nicht. Nun gut, zu ungefähr dem selben Zeitpunkt hat sich Stephan ein C-Coupé gekauft und es mit Hilfe seines Bruders, unserem allmächtigen Christoph, soweit TÜV Fertig gemacht. Fazit meinerseits: Ein schönes Auto aber man muss halt doch irgendwie rumbasteln.

Der erste Italienurlaub stand an, einmal Toskana und wieder zurück. Da wir hauptsächlich über die Autobahn gefahren sind war ich noch voll und ganz von meinem frontgetriebenen kleinen Flitzer überzeugt.
Doch Dinge ändern sich manchmal ganz schnell. Der erste Besuch in San Martino di Castrozza stand an, ich weiß bis heute nichtmehr so genau wie diese Konstellation zustandegekommen ist, aber es war die entscheidende Wende.
Vielleicht waren es auch die Autos in San Martino selbst die ein wenig Schuld an der Entscheidung waren, ich glaube jedoch dass alleine die Fahrt hin und zurück eigentlich daran schuld sind. Trotz der 15 PS Mehrleistung bei nicht allzuvielen Pfunden mehr hatte mein Peugeot auf den engen Bergstraßen nicht die geringste Chance an dem Pulk von Kadetten dranzubleiben. Im Gegensatz zu den anderen die mit einem Grinsen im Gesicht in Italien angekommen sind, bin ich völlig gestresst und doch ein wenig enttäuscht angekommen.
Nach nichtmal einem ganzen Jahr, aber dennoch über 20 000 Kilometern im Peugeot war klar, das Ding kommt weg. Ein Kadett muss her!
Starrachse gegen Einzelradaufhängung, aber dennoch ein Schritt in die richtige Richtung!
Zur Auswahl standen Coupé oder Limousine, wobei die Limo ganz klar bevorzugt wurde. Etliche Inserate wurden besichtigt, der Sepp wurde stets von Schrottplatz zu Schrottplatz gehetzt, doch der richtige war einfach nicht dabei.
Dass ich eine Baustelle kaufen würde, war klar, jedoch sollte sich diese natürlich in einem gesunden Rahmen bewegen, denn ein wenig lernen ist ja schön und gut, aber von 0 auf 100 muss dann doch nicht sein.

Besondern zu bemerken wäre ein Herr in München, der mir seinen Kadett E-CC anbieten wollte. Er war auch nach einigen bösen Bemerkungen unsererseits immernoch davon überzeugt einen C-Kadetten zu verkaufen. Nur gut dass wir schnell wieder weg sind, wer weiß was sonst noch passiert wäre.

Irgendwann war es dann soweit, irgendwo hinter Landshut stand dann ein Kadett vollkommen eingeschneit im Hof. Zusammen mit Christoph’s Bruder wurde er nach unserem damaligen fachkundigen Wissen genauestens unter die Lupe genommen und wurde dann recht schnell mein. Geeinigt auf kleines Geld und eine Abholung im Februar 2003. Nach einigen Bildern und netten Geschichten des Verkäufers wurden uns noch einige nicht ganz so schöne Details zum Auto verraten. Drei Jahre hätte es jetzt schon in der Wiese gestanden, der eigentliche Zweck der Anschaffung wäre ein Tausch gegen Sitzkonsolen gewesen. Doch davon darf man sich nicht entmutigen lassen!
Im Februar dann gings mit Sepp inklusive Trailer dann los, das fahrbare Aquarium holen. Bei mir zuhause angekommen, stellten wir es zur Belustigung der Nachbarn ersteinmal vorne auf Reifen, damit das Wasser nach hinten hin ablaufen konnte.

Die ersten Schleifarbeiten im Fußraum und Innenraum wurden im Garagenhof vorgenommen, jeder im Haus war über den Fortschritt natürlich bestens informiert.
Im Laufe des Sommers wanderte er dann in die Werkstatt, um den rechten Radlauf, den Batterieboden, das Bodenblech, das Luftleitblech unten und die A-Säulen verstärkungen zu erneuern. Ein extra dafür besuchter Schweißkurs half dabei dann doch ein wenig, wenn auch der Sepp die erste Anlaufstelle für bestimmt teilweise dämliche Fragen war.
Blechtechnisch wurde alles was nötig war ersetzt (der Frontscheibenrahmen war oben total vergammelt, eine sehr komische Stelle im übrigen).
Die Lackierung erfolgte Freiluft, die Fliegen die sich im Lack verewigt haben möchten es mir verzeihen.

Technisch stimmte soweit alles, sogar einen Satz 6x13 ATS hatte der Sepp für mich parat. Da das originale Fahrwerk keinen gesunden Eindruck mehr machte, kam ein spontaner Ebay-Deal ganz gelegen. Mattig 005 mit gelben Konis! Das war ziemlich viel neues auf einmal! Heckantrieb, ein richtiges Sportfahrwerk und das ganze auch noch in einem so schicken Auto!
Doch es lagen noch einige große Steine im Weg bis das Auto endlich auf die Straße durfte. Alleine der TÜV-Termin stellte die beinahe größte Herausforderung dar. Da der Brief verfallen war, musste der §21 gefahren werden. Doch das Auto durfte ja auf der Straße nicht zum TÜV fahren, eine Anlieferung auf dem Hänger war natürlich auch nicht möglich (zumindest nicht in unserer Zulassungsstelle). Nun gut zum Glück fanden wir einen Opel-Händler, der es uns erlaubte das Fahrzeug auf seinem Privatgrund abzustellen damit der TÜV-Prüfer es abnehmen konnte.
Die Zeit vor dem Termin der Termine war eine harte Nervenprobe, nicht nur für mich selbst sondern auch für meine Liebste. Bis spät in die Nacht wurde geschraubt, zuhause angekommen wurde schnell geduscht und dann sofort geschlafen um am nächsten Tag wieder fit zu sein. Die Nacht vor dem eigentlichen Termin war dann nochmal sehr spannend, die letzten Details wie Frontscheibe, Bremsen entlüften etc standen an. Wir hatten zwar tatkräftige Unterstützung aus Hessen, Christophs Verwandschaft war eingetroffen, dennoch hieß es klotzen statt kleckern!

Die kurze Probefahrt endete mit dem Auto TÜV-Fertig auf dem Hänger und einer qualmenden hinteren Bremse. Laut Sepp jedoch bestimmt nur der Hitzelack auf der Bremstrommel!
Nun gut, natürlich wars genau dieser nicht, sondern eine feste Bremse. Also nix mit Tüv. Auto stand am Opel-Autohaus, Sepps Hänger daneben aber abgesperrt und der Sepp wurde mit Arbeit überchüttet und hatte somit folglich keine Zeit. Zwei Tage des Telefonterrors, denn das Auto sollte schnellstmöglich vom Gelände, aber zuerst muss jemand mit Anhängerkupplung gefunden werden und dann irgendwie auch noch der passende Schlüssel zum Hänger!
Eine Woche später war es dann endlich so weit, die Bremse funktionierte und seitdem ist der rote Flitzer auf der Straße!
Seitdem hat er zwar einige kleine Mucken gemacht, so richtig gezickt hat er aber glücklicherweise nicht. Natürlich wurde schon wieder das ein oder andere verändert, das gibts aber in einem anderen Artikel zu lesen!
Vielen Dank natürlich an die tatkräftige Unterstützung und für die ein oder andere Lehrveranstaltung Sepp! Und Christoph, und Stephan, und Benny, und... danke! |