Wie kam ich zu meinem eigenen Youngtimer?
Ein ungesteuertes Interesse für Autos war schon immer vorhanden. Schon als Kind.
Ich bin unter Jungs aufgewachsen und wurde von „netten“ Mitschülerinnen zeitweise selbst als einer bezeichnet. Puppen waren für mich eher Objekte, an denen man seine Forscherdrang ausleben kann *g*. Wie weit fliegen Puppenbeine? Wie sieht wohl eine Barbie ohne Haare aus? Und wie werd ich die blöden Teile schnellstmöglich wieder los?
Einige viele Jahre später ist es dann endlich so weit: der Führerschein naht. Mein damaliger Freund ist BMW-Fahrer, was mich zu dieser Zeit nicht die Bohne interessiert hat.
Führerschein bestanden und abends gleich auf die Autobahn. Mal sehen was das Auto (damals ein nagelneuer 320 E 46) hergibt… O.K., ich geb’s zu, ich bin nur 190 gefahren. Am ersten Tag wollt ich’s nicht übertreiben.
Kurze Zeit später saß ich dann im Renault Megane meiner Eltern. Autobahn. Mei, da schleicht einer auf der mittleren Spur. Also raus auf die Linke Spur und das Gaspedal durchtreten… äh hallo? Muss ich jetzt anschieben oder wie? Nach und nach ging’s doch langsam schneller. Die Tachonadel steigt 130 … 140 … 150 aaahhhh! Was ist denn jetzt? Alle möglichen Dinge fliegen im Auto hin und her. Das Lenkrad ist kaum noch zu halten. O.K., schneller fahr ich nicht.
Spätestens in dem Moment war das Interesse für BMW geboren.
Trotz Hindernis, möchte ich bemerken: Der Beifahrer war einfach schrecklich. Den hätte man festbinden müssen, damit er die Griffel von der Handbremse lässt. Is auch sehr sinnvoll die Handbremse zu ziehen, wenn das Auto noch einen Meter vom Garagentor entfernt ist. Stellplätze vor der Garage sind ja immer riesig. Noch sinnvoller sind solche Aktionen natürlich mitten auf der Kreuzung.
Mit 19 dann der erste Versuch, einen eigenen BMW zu kaufen. Zwar nur E36 (320), aber sehr guter Zustand: Rentnerauto in eisblau, außen und innen wirklich top. Einziges Makel: ein paar Kratzer an der rechten hinteren Alufelge.
Mein Vater hatte was dagegen. Einen Tag später gab es keinen Kaufvertrag mehr…
Zwar nicht rechtens, aber anscheinend möglich.
Szenenwechsel: 2003 Abi geschafft und viiiieeel Zeit. Da ergaben sich einige Nächte, in denen Chicken und ich in seinem Lokal bis morgens um acht gedartet haben. Unglaublich aber war, wir waren häufig 8 Stunden nur mit Dart spielen und ratschen beschäftigt. Während einer dieser Nächte erzählt er, der Schatzl habe ihm zum Geburtstag die Mitfahrt zum Bergrennen in Castrozza geschenkt. Morgen Abend geht’s los. Ob ich mit will?
Hm, ob ich mit will… hm, viel zu tun morgen, aber machbar.
Ich kenne zwar sonst niemanden, aber na gut, ich komm mit. Also tagsüber noch schnell Schlafsack etc. organisiert und abends stand ich auf der Matte. Ich kann bei Franzie mitfahren, heißt es.
Bei Franzie hab ich dann erst mal gelernt, dass man beim Serpentinen fahren keine Angst haben muss. Bei meinem Ex hatte ich nie das Gefühl, er hätte sein Auto unter Kontrolle, wenn er in den Bergen rumgeheizt ist. Das war mehr so ein „ahhh die Schlucht kommt näher…!!!“
Das Rennen in Castrozza war natürlich mega geil…
Da ich aber grade erst Abi gemacht hatte und noch keinen Plan, was ich dann anstellen soll, (Sprich ich hatte weder nen Job noch Geld) entstand die Idee, in nächster Zeit ein eigenes Auto zu kaufen erst gar nicht. Das hart verdiente Geld für den E36, war inzwischen mangels Nachschub aufgebraucht.
Ein Jahr später.
Die ganze Truppe fährt zum Rennen am Mendelpass. Diesmal war ich Beifahrer beim Chicken, Flo saß hinten drin. Da wurde uns bewiesen, wie man das riesen Schiff um die Kurven schmeißen kann. Na ja und dass es keinen vollfunktionsfähigen Rückwärtsgang hat. Ich dacht ja, der Chicken will uns verarschen, als er mitten im Wendemanöver sagte, wir müssen ihn anschieben. Zu Zweit. Am Berg. Aber das klappte dann besser als erwartet. Außerdem erlebten wir das Rennen aus unserer genialen und später auch berühmten Fankurve…
Nach der Heimkehr war der Wunsch nach einem eigenen (natürlich) BMW schon ein gutes Stück näher gerückt. Da ich aber zu der Zeit nur einen 400€-Job hatte, stellte sich schnell heraus, dass Geld nicht auf Bäumen wächst… Nach ein paar Monaten schob ich den Wunsch wieder in weitere Ferne.
Noch ein paar Monate später bekomme ich eine sms vom Chicken:
„Fährst du dieses Jahr wieder mit zum Mendel?“
„Klar, Flo will auch wieder mit, hat er gesagt.“
„Hast du Lust in Franzis Fußstapfen zu treten und Beifahrer zu machen…“
(???? Hää? Beim Sepp, oder was?)
„… ich sitz grad vor der Anmeldung und brauch noch ne Beifahrerin.“
„Na klar“ war natürlich die einzig mögliche Antwort.
So geschah es, dass Chicken und ich 2005 an unserem ersten Bergrennen aktiv teilnahmen. Sau viel Spaß hat’s gemacht, aber die Fankurve fehlt einem ja doch irgendwie. Da wir eine der letzten Startnummern waren, haben wir von den anderen immer nur die Starts gesehen. Trotzdem selbst teilzunehmen ist umgangssprachlich gesagt oberaffengeil!!
Nervensausen? Ich? Nee, ich doch nicht… na ja, bis zwei Wagen vor uns. Helm aufsetzen… kann mal jemand meine Hände festhalten… Ich nervös? Das gibt’s doch gar nicht!
Mich macht doch nix nervös.
Wenn’s so weiter geht, schmeiß ich das Handy (Stoppuhr-Ersatz) in der ersten Kurve ausm Fenster… zum Glück sind sie geschlossen. Und dann klappte alles doch besser, als befürchtet.
Wäre da nicht der kleine Fehler im letzten Lauf gewesen, hätt’s auch mit dem Pokal geklappt. Naja, is halt nicht so einfach, gleichzeitig das Roadbook zu halten und vorzulesen, das Handy zu halten und die Zeit abzulesen und schließlich noch sich selbst festzuhalten. Weil der nur einen Sportsitz hat, bin ich sozusagen auf der Couch mitgefahren…
Wie jeder weiß, kommt ein Unglück selten allein. Chicken hatte es in den vorhergehenden Läufen unglaublich gut geschafft, die Zeitunterschiede auf meine Ansage hin auszugleichen, aber ausgerechnet in diesem Lauf verschätzt er sich und schafft es nicht, in den noch bleibenden 2 Minuten, unsere zehn Fehlsekunden aufzuholen.
Dumm gelaufen. Wenigstens sind wir auf unserem einzigen geglückten On-Board-Video fluchend und schimpfend drauf… Super!
Während der Preisverleihung haben wir dann auch erfahren, wie knapp wir tatsächlich den Pokal verpasst haben. Ich hab’s nicht mehr hundertprozentig im Kopf, aber es waren es ging trotz dem dicken Patzer (300 Punkte) gerade mal ein paar Punkte Unterschied zwischen uns und dem Platz davor. Wir waren also 9. von 22 in der Gruppe und in der Gesamtwertung, also von fast 100 Teilnehmern, im ersten Drittel. Fürs erste Mal nicht schlecht…
Nach kleineren und größeren Schwierigkeiten kamen wir einigermaßen zufrieden zu Hause an.
Als Flo dann so langsam anfing, die Rahmenbedingungen für einen Autokauf abzucheken, begann auch ich, noch mal über das Thema nachzudenken.
Natürlich muss es ein BMW sein, keine Frage! H-Kennzeichen ist auch Vorraussetzung, denn als nicht mehr daheim wohnende Studentin hat man das Geld ja nicht so dicke…
Allerdings hab ich ja zwei Jobs plus Gelegenheitsarbeiten, es muss also nicht nur „billig aber willig“ sein.
Was bietet sich also an? BMW 2002! Was sonst? Die Vorteile dieses Autos bedürfen eigentlich keiner Erklärung. Aber ein Vorteil, den vielleicht nicht so viele Leute kennen, sei hier genannt: Wenn auf dem Gebrauchtmarkt mal alle Stricke reißen sollten, stellt BMW immer noch alle Teile her. Für mich, bis dahin ohne besondere BMW-Connections kein schlechtes Argument.
Der Grundstein war gelegt, jetzt ging die Suche los…
Warum wohnen eigentlich prinzipiell alle Young- und Oldtimerfans in Norddeutschland? Irgendwann rückt Christoph auch mal damit raus, dass er einen 02-verrückten kennt, der zufällig auch gerade einen seiner Prachtstücke loswerden will. Noch schnell ausgecheckt , woher die fehlenden Gelder fließen (wer Geld verdient, muss nicht zwingend gerade Geld haben) und schon ist der Roadtrip geplant.
Was ist die goldene Regel für unsere Roadtrips? Richtig, irgendwas muss schief gehen!
So war’s dann auch. Pünktlich zur Abfahrt ruft Christophs Bruder, Stefan, an, er hat sein Auto zerlegt, er muss abgeschleppt werden. Wir teilen uns also auf.
Und Schiffen tut’s auch noch. Naja, macht nix, Christoph hat ja gesagt, der 02 steht in der Halle. Nach längerer Wegsuche endlich angekommen, werden wir zu dem Objekt der Begierde geführt. Komisch, hier ist doch gar kein Platz für ne Halle? Gehen wir mal hinterher. Mit ein klein wenig Enttäuschung werden wir von einem sehr sportlich und sagen wir einfach mal lecker aussehenden 02 weggeführt. Hinterm Haus steht dann der zum Verkauf stehende 1802 in rot… also in rot… hm in rot… na ja schauen wir mal weiter.
Ein sehr freundlicher Mensch erzählt mir einiges über das Auto. Mutiger Versuch übrigens, einer Blondine technische Details zu erzählen ;o)
Damals noch mehr als unwissend (mittlerweile weiß ich immerhin, was Weber und gelbe Konis etc. sind) jedenfalls damals noch sehr unwissend höre ich also zu und versuche mir wenigstens n paar Dinge zu merken. (Gedanklich zitiere ich die Autoscout –Werbung: „Bisschen dreckig is er ja schon“)
Aber so weit von mir beurteilbar, kein schlechter Zustand. Auch Schatzls spätere Inspektion bringt keine größeren Mängel ans Licht.
Nach mehreren Vorträgen von Schatzls und Ralfs Seite, über die Farbe von Youngtimern, erkläre ich mich bereit, über den roten Lack hinwegzusehen. Ansonsten is er ja schon toll. Ein paar Kleinigkeiten ändert der Verkäufer (unser lieber 02-Flo) unaufgefordert und macht für mich sogar noch den TÜV.
Netter Weise holen drei fleißige Bienchen den Wagen für mich ab, da ich immer erst spät von der Arbeit komme.
Tja, so kam er vor meine Tür, mein eigener BMW und Youngtimer.
Sobald sich der Winter endlich verzieht, geht’s los. Dann wird er noch n bisschen sportlicher gemacht.
Die Einkaufsliste steht natürlich schon.

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