Wie beginnt man eine Geschichte, die selbst am Tag danach noch unfassbar scheint!
Fangen wir mal so an:
Ein Stau (v. niederdt. stouwen stehen machen, stellen) bezeichnet die Störung eines Fließens durch die Engstelle eines Transportweges, oder durch das Verbleiben von Etwas in einem Kanal. Der weitere Transport durch den Kanal wird erheblich behindert oder gänzlich verhindert.
Dabei sind die Eigenschaften des Weges bzw. Kanals wie Kapazität und Ausweichmöglichkeiten einerseits und die Eigenschaften des Transportgutes andererseits von großer Bedeutung.
Der Transport ist normalerweise gekennzeichnet durch eine fortgesetzte Belegung und gleichzeitige Freigabe von (Kanal-)Ressourcen. Dieser Vorgang ist bei einem Stau gestört. Folge ist eine fortgesetzte weitere Belegung, aber ohne entsprechende Freigabe. Der Stau ist daher auch ein selbstverstärkender Vorgang, der durch plötzliches Entstehen z.B. auf Autobahnen seine Gefährlichkeit ausmacht. |
Wikipedia – Die freie Enzyklopädie!
Es ist mal wieder einer dieser Tage, an denen ich im OSG Forum einfach so vor mich hinsurfe, als ich die Anzeige unter „Fahrzeug Angebote“ wahrnehme: Kadett B 1.2 S Automatic Limo mit neuem Tüv und H-Zulassung zu verkaufen, weiss, Top gepflegt, Innenausstattung rotes Kunstleder,
Notverkauf !!!
Und weil ich ja weis wie gerne meine Freundin schon lange einen B-Kadett möchte beschließe ich einfach mal nachzuhaken!
Ein bisschen hin- und hermailen und anschließender Tel. Nr. Tausch ergibt, dass die Karre in Mötzingen bei Stuttgard steht und sich gar nicht so schlecht anhört!
Fotos noch per email – sieht gut aus, also „is für dich Sonntag anschauen ok??“ – „jo, passt!“
Samstag kommt dann noch Schatzi`s Umzug - den ganzen Tag rumumziehen und abends noch Pizza Party mit anschließendem 1- 10 Biere trinken!
So während dem üblichen Bullshitgequatsche in unserer Runde hab ich dann noch gefragt ob jemand Bock auf einen Sonntagsroadtrip hätte!
Peter – klares „JA“, Flo „Da fahr ich mit, ich muss da Erfahrung sammeln“ und Schatzls „weis nich, ma gucken, wir telefonieren“
Der Plan steht, 11 Uhr Abfahrt und lustig wird’s sicher, weil sind ja bloß 250 km, da sind wir ja spätestens um 18 Uhr wieder da!!!
Tja, die Abfahrt hat sich aufgrund oben erwähnte Getränken dann ein kleinwenig verzögert – ich bin um 11 erst aus dem Bett gefallen...
Dann noch schnell Bank, Karre (Mama´s Mitsubishi Colt) voll tanken, Flo und Peter einpacken und dann der Anruf „Hi, ich komm mit, muss nurnoch schnell duschen“ vom Schatzl!
Gut, bei ihm angekommen war er auch schon geduscht – und irrte leicht ferngesteuert durch sein neues Zuhause – welches ihm offensichtlich noch etwas fremd war! Ein umgeschütteter und zerbrochener Aschenbecher am Boden und etliche leere Bierflaschen sind die Zeugen der letzten Nacht!
Und während Peter und ich anständig „Guten Morgen“ sagen ist der Flo wie von Geisterhand gesteuert auf den Kühlschrank zugeeiert und hat sich einen August rausgenommen „Ich nehm mir da mal eins mit“
- Genau so macht man das, kennt einen ja jeder, warum also „Hallo“ sagen!!!

Meinen Hinweis am Vortag „das Auto is fei klein“ hat anscheinend keiner sonderlich ernst genommen – umso größer war auch das Gebrüll als sich die 4 ausgewachsenen Rüden versucht haben irgendwie in diese Karre zu quetschen... Naja, irgendwie geht des schon, sind ja bloß 250km, außerdem haben wir ja auf der Rückfahrt vielleicht zwei Autos...
Route is ja einfach, auf die A8 und gib ihm (=130km/h) – genau bis kurz nach Ulm – dann kam was kommen musste – DER Stau!
Naja, der Haufen war ja gut gelaunt, die Musik war cool, das Radio verkündete „10km Stau auf der A8 Richtung Stuttgart“, da wir schon ne halbe Stunde drinstanden haben wir uns da keine weiteren Gedanken gemacht!

Ein „Pflopp“ aus den hinteren Rängen gefolgt von Flo´s routinierten „Proooost“ gab zu verstehen, dass das erste Bier geöffnet wurde.
Um es jetzt kurz zu machen – nach 3 Stunden Stillstand ging unsere Laune asymptotisch gegen Null!!!!
Wirre sinnlose Dummgespräche hielten jedoch irgendwie die gute Laune im Auto, sodaß bis dorthin eigentlich noch alles Ok war!
Der Flo hat dann noch eine Entspannungshaltung herausgefunden, die das Sitzen im Reiskocher PKW angenehmer gestaltet: mit den Knien auf die Rückbank, Kopf in den Kofferraum, Arsch an Vordermanns Kopfstütze und einfach abhängen.
Anruf beim Verkäufer: „Wir stehen im Stau, bis 3 schaffen wirs nicht, wird bissl später“
Ein besonderes Gute Laune Erlebnis bescherten uns zwei Autofahrer, die im Stau auf der linken Spur versuchten aufgrund technischen Defekts einen 124er per Abschleppstange an einen A6 zu hängen!
Nach ca. 15 Minuten hatte sie es auch geschafft und rangierten rüber auf die rechte Spur!
Wies im Stau dann so ist, sind wir irgendwann an denen vorbeigefahren.
Mir viel irgendwie von der Seite schon die komisch verzerrte vordere Stoßstange auf und als wir dann endlich auf „Augenhöhe“ waren traf uns alle der Schlag – siehe Bild!
Diese zwei Chaoten hatten doch tatsächlich fachgerecht den Stoßstangen Stöpsel entfernt und dann die Abschleppstange im Plastik (!!!) eingehängt!
Man stelle sich vor ein an der Unterlippe gepiercter würde von einem Kumpel liegend über die Straße gezogen werden – es war schier unfassbar!


Peter´s „Hey denen müssen wir was sagen“ ging im „Neeeeiiinn, des will ich sehn, ich will des sehn, ich will es hören, macht die Musik aus“ von Schatzl und Flo auf dem Rücksitz unter!
Das wir uns fast bepisst haben hat die zwei Autofahrer nicht daran gehindert uns freundlich zu winken, offensichtlich dachten sie wir freuen uns über nette Gesellschaft...
Das Bild – Stoßstange reisst aus – A6 klatscht zwex plötzlichem Schwung auf Vordermann – 124er rollt rückwärts auf Hintermann konnte keiner von uns so richtig erwarten!
Leider war unsere Spur eindeutig schneller und irgendwann hat uns der ADAC mit den beiden im Schlepptau überholt – ihr werdet es nicht glauben – die Stoßstange war nicht einmal verzogen...
Dann wieder Stau, eine ewige Blechkaravane bahnt sich ihren Weg über die Autobahn, es war unfassbar!

Dann kam der etwas nicht ganz jugendfreie Plan meinerseits – „da is ein Feldweg zwischen den Leitplanken...“ Was folgte bleibt unser „Geheimnis“ – geile Schotterrallye.
Ein paar Meter weiter kam ein 5er BMW auf die gleiche Idee, sodass sich zwei sehr schnelle Autos – er von links, wir von rechts – einer Y-Kreuzung näherten!
Da jeder von uns einer 100m lange Staubwolke hinter sich herzog erkannten wir schnell was wir tun musstne, vollgas!
Aber der BMW war schneller und wir wissen jetzt was „eatin´ dust“ wirklich bedeutet!
Dann endlich die erste asphaltierte Straße – links oder rechs??? – links!!
Auf irgendeiner Landstraße ist vor uns dann ein anderer, offensichtlich verwirrter Autofahrer aufgetaucht, der aus heiterem Himmel vor uns eine heftige Bremsung hinlegte, dann den Rückwärtsgang reingehauen hat und 2 cm vor unserer Stoßstange erst durch mein Hupen wachgerüttelt gebremst hat!
Mein Hupen war offensichtlich so provokant, dass jener Herr sich verpflichtet fühlte mir einen Scheibenwischer und einen Vogel zu zeigen!
Und das war genau das auf was ich nach 4 Stunden Stau gewartet hatte – Gang raus, Handbremse rein, Abschnallen und raus!
Der ebenfalls wütend aussteigende Herr erkannte seine Ausweglosigkeit allerdings sehr schnell, als ich in Armyhose, Tanktop, Fingerkrampfend und einem Blick, der sehr wahrscheinlich dem eines abgerichteten Rotweilers glich auf ihn zu stürmte. Sein unterwürfiges „Oh, ich habe sie nicht gesehen, Entschuldigung!“ löste bei mir nur ein
„Ach so, deshalb haben sie mir dann auch einen Vogel gezeigt oder!??!“ aus. – „IIIIIch – neeeeeeee“ kam da nur zurück!
Das qutitierte der Rest der Truppe aus meinem Auto (nicht weniger geladen wie ich) mit einem semiaggressiven und mich bestätigendem tiefen Raunen, welches nicht in Buchstaben aufs Papier zu bringen ist!
Aufs heftigste eingeschüchtert suchte unser freundlicher Herr dann sein Automobil auf und floh!
Ok, Trip goes on – wir fanden die Bundesstraße Richtung Reutlingen und waren glücklich bis zur Orteinfahrt – Stattfest Reutlingen – für die Besucher sicher ein schöner Tag, für uns über eine Stunde weiterer Stau!
Der nächste Anruf beim Verkäufer „Du ich verarsch dich nicht, wir sind echt auf dem Weg aber dieser Stau...!“
Wer mich kennt weis, das es nicht sonderlich gut für mein Umfeld ist wenn mir so richtig der Kragen platzt und so waren drei eigentlich selber schon sehr angepisste Leute in meinem Auto redlich bemüht mich bei Laune zu halten!
Hier sei erwähnt das ein Großteil meines Unmutes von meinem schlechten Gewissen kam, weil die Jungs ja meinetwegen (oder wenn man es genauer analysiert wegen meiner Freundin) in diesem Schlamassel steckten.
Das mit meiner Laune haben sie auch bis eine halbe Stunde vor Ankunft geschafft, als ich begann zu erklären was ich mit dem Verkäufer (der zwar unschuldig war aber mir ja egal) machen würde wenn der Kadett nicht meiner Vorstellung entspräche!
Meine Ausführen wie ich das Blut unschuldiger Menschen vergießen würde und wie man Körper vierteilen kann stifftete jedoch die gesamte Besatzung an, sodass jeder kund tat, wie er das arme Schwein erledigen würden.
Des weiteren machte uns auf der Wegsuche die Ortsbeschilderung wahnsinnig und so begannen wir fröhliche Ortschaften fürs Schwabenland zu erfinden – Arschingen, Leckmichingen, Fickdichingen – sollen hier nur milde Beispiele sein!
Endlich Ortschild Mötzingen (!) und Auffinden des Verkäufers – ein netter Kerl, dem wir dann auch nix getan haben, vielmehr die Autosammlung seiner Familie in Augenschein und gefachsimpelt haben! Nach einer halben Stunde gequake haben wir dann auch mal begonnen den B- Kadett unter die Lupe zu nehmen!
Zwischendurch meldet sich Schatzi immer wieder zu wort, er ist einfach ständig auf der Suche nach Teilen für seine Wohnung, nur rein vorsorglich damit wir beim nächsten Umzug noch ne Kiste mehr schleppen dürfen.
Schatzi´s „des is übrigens mein Nachname“ und mein „wir sind nicht schwul“ wird vom Verkäufer ganz trocken mit einem „wär mir auch wurscht“ quitiert.
Unverbastelt, schön, aber wie er mit den drei daumendicken Löchern in Radhäusern und Schweller einen neuen TÜV bekommen hat ist uns ein Rätsel!
Die fehlende Asu Plakette löste dann auch noch Irritation aus, aber offensichtlich nehmen es die schwäbischen Zulassungsstellen mit Oldies nicht so genau!
Probefahrt, Feilscherei, Einigung – Papierkrieg – Abfahrt!
Kleines Highlight war noch, das der 12er direkt vor den winkenden Verkäufern beim Losfahren ausgegangen ist und auch kurzzeitig dann nicht mehr laufen wollte - Zicke halt, soll ja auch ein Frauenauto werden!
Die Heimfahrt war lustig, und nach ner halben Stunde hat mir der Schatzl dann auch mal verraten, dass auch diese Automatik n Kickdown hat, sodass wir ab dann auch mit über 60 die Berge raufkamen!

Abendessen bei Laras Diner und Vorfreude auf gutes kaltes Bier stimmten uns gut gelaunt!
Wir sind dann noch ca. 20min. mit 120 km/h gegen den Stau gefahren der auf der Gegenfahrbahn nach wie vor stand – also hatte sich die Rallyesonderprüfung echt rentiert!
Der Anruf meiner Freundin „Wie viel Bier soll ich kaufen“ und keine Frage danach ob wir den Kadett gekauft hatten verwirrte uns alle noch, jedoch fiel uns wieder ein, dass ich ja 5 Stunden zuvor mit ihr vom Stau aus telefonierte und meine überaus liebliche Stimme ihr verkündete, dass gute Laune in unserer Beziehung der Vergangenheit angehöre!
Auf dem Heimweg haben die 2 erwachsenen Männer Peter und Schatz aus einer Laune heraus beide ihre Mütter aus dem Bett geklingelt, sie mögen bitte für große Stoffschleifen sorgen, das wäre extrem wichtig!
Treffpunkt Dea wurde dann die Überraschungsübergabe geplant! Nach einer guten Zeit war Peters MOM dann auch fertig aus 20cm langen Stoffresten eine über 9m lange Bande zu nähen, zu bereinigen und zu bügeln (sie is Schneiderin und soviel Zeit muss sein – um 23 Uhr) während Schatzi daheim eine Riesenschleife bei seiner Mom und ein extrem wichtiges Sportlenkrad bei sich daheim rauskramte „des Lenkrad schenk ich ihr jetzt“.

Ich denke der beinahe Tränenausbruch und überglückliche Blick von der Andrea hat uns die Strapazen des Tages leichter wegstecken lassen!!
Der Dackel fand den Teppich im Kadett auch spitze und hat sich reingeflezt als wäre er noch nie in einem anderen Auto gesessen.

Und nachdem wir der Andrea noch erklärt hatten, dass man eine Automatik auch nur mit einem Fuss und nicht mit beiden fährt hat sie uns dann wie sich das gehört zu 5. (!) im Bkadett zum Chicken gebracht wo wir uns noch das ein oder andere Bier genehmigt haben und den Abend mit ein paar richtig guten Brüllern ausklingen ließen!
Alles in Allem sind wir so um 11.30 losgefahren und waren um 2 nachts daheim – nicht schlecht für 500km wenn ihr mich fragt!
Immerhin hat klein Andrea jetzt endlich n B – Kadett und freut sich sehr darüber – und wieder haben wir einen DRIVER mehr in der Rubrik!

|