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Flo - oder einer dreht achtfünf!

Kapitel 1: Flo

Flo – irgendein Typ, den der Chicken mit nach Italien gebracht hatte, ein Typ der eben immer bei ihm im Stadl rumhängt. Flo der Vernünftige mit einem Auto mit G-Kat und Xenonlicht.
Flo, der Typ, der sich aus Gründen der Vernunft eine Autogasanlage in seinen Neuwagen einbauen lässt und dich auslacht, weil er für 25 Euro voll tankt und 400 km damit fahren kann. Flo, der aus Partygründen am Mendelpass steht und der alten Autos nachklatscht weil alle anderen das eben auch tun.
Flo, der Typ, der mir morgens auf die Eier geht, weil er mir kurz nach dem Aufstehen die Kamera ins Gesicht hält. Flo, der Andere eben.
Das war vor 2 Jahren.

Kapitel 2: Die Mutation

Mendel dieses Jahr. Flo ist wieder dabei – der Andere. Der, der mir hundert pro wieder auf die Nerven geht.
Aber diesmal ist es anders – Flo ist krank. Es hat ihn erwischt – er klatscht irgendwie nicht mehr weil die anderen Klatschen sondern von sich aus. Flo hat den Virus – das arme Schwein.
Flo ist anders – als letztes Jahr, Flo ist cool – Flo will wie ich nie ins Bett.
Flo mag biertrinkend in den Sternenhimmel schauen, Flo quatscht Blödsinn, er ist lustig, und man kann sich irgendwie ziemlich gut mit ihm unterhalten.
Flo ist ok.
Und irgendwann sind wir wieder daheim und es passiert. Flo fragt ganz unauffällig so am Tisch die Randbedingungen des Altautobesitzes ab. Er hört heimlich zu wenn wir über unsere Autos reden – er saugt alles auf. Er will dies und das wissen. Flo will ein altes Auto – irgendwas günstiges, irgendwie halt Opel – wie die anderen.
Flo will cool sein, Flo will bei den drivern auf der Homepage stehen.
Ich schicke Flo Fotos von Autos – alten Opels – doch Flo ist anders drauf – Flo weiss schon was er will.
Er hat noch nie so richtig einen live gesehen, aber Flo will einen A Ascona.

Kapitel 3: Die Suche

Naja A Ascona – man beginnt zu suchen.
Randbedingungen:

  • H Kennzeichen
  • wenig Arbeit weil Flo ist kein Schrauber
  • bissl Fahrwerk
  • bissl Alufelgen
  • So ein 1.9er solls aber schon sein
  • das wars

Klingt nicht spektakulär – ist es aber. Viel telefonieren, den ein oder anderen anschauen – Nix, nix und wieder nix. FRUST.
Ich erzähle Flo im Winter Autos kaufen ist gut, ich erzähle man muss nur abwarten – aber Flo will einen Ascona – und zwar zackig!!!
Es ist kurz vor Sylvester, Flo hat wieder einen. Weiss, Augsburg, Automatik, - Flo will am 1.1.2006 dahin.
Ich muss lernen, ich will nicht mit.
Es ist ein Tag vor Sylvestertag und Flo schickt mir einen link – noch einer.

Flo schickt Bilder und Eckdaten. Für Schatz und mich ist eines klar – der isses. Nur dem Flo ist es noch nicht klar. Und dem Verkäufer auch nicht.
Der Flo sagt, das der Verkäufer sagt das Auto solle erst im Frühjahr weg, weil es ist jetzt schmutzig und die Standreifen sehen nicht gut aus. Der Verkäufer will bloß mal wissen, ob Interesse da ist…

Wir reden Flo ins Gewissen, wir machen ihn fertig. Das ist er dann auch.
Das sagt der Flo dann auch dem Verkäufer – das er fertig ist und nicht mehr schlafen kann, und das er, der Verkäufer schuld dran ist.
Und dann bekommen wir grünes Licht. Wir dürfen ES ansehen.

Kapitel 4: Die Tür

Es ist der 1.1.2006 und ich kann nicht lernen – mir ist schlecht – es ist Neujahr – ich bin um 7 ins Bett.
Aber um halb vor siebzehn Uhr steht der Flo vor der Tür. Ich bekomme meine Antirauschüberlebenscheeseburger, wir packen die Andrea und den Schatzl ein.
Auf nach Nürnberg, scheiss auf Augsburg.

Jetzt kommt eigentlich der Roadtrip. Der ist aber unspektakulär. Kein Stau, für 25 Euro das G-Kat Auto voll tanken, einmal pinkeln, ankommen.
Den Verkäufer treffen wir beim ortsänsässigen Mc Donalds.
Herr F.
Herr F. ist nett, ein lustiger Kerl. Wir folgen ihm zu seiner Halle.
Da ist die Tür.

Die Tür

Wir begeben uns ins Innere.
Schatzl bleibt am Rekord C Sprint Coupe hängen, ich am Rekord C Caravan, dann an der Rekord C Limo, dann noch so ein BMW – Flo steht alleine vor ES.

Der Opel
Der BMW

Die erste halbe Stunde vergeht indem Schatzl und ich von Herr F. die anderen Autos kaufen wollen. Herr F. erklärt uns die näheren Umstände.
Herr F. bringt mich den ganze Abend mit seinem trockenen Humor und seiner lustigen Art immer wieder zum Platzen vor lachen.
Also das Coupe und den Caravan bekommen wir nicht – wegen der Frau. Die sagt nämlich das er DIE zwei nicht hergeben darf.

Herr F. ist einer von uns. Genau so muss es sein.

Schatzl und ich geben nicht auf.
Irgendwann stammelt dann Flo irgendwas – mit beiden Füßen wie ein kleines Kind widerwillig stampfend. Irgendwas von Ascona – ich – anschauen – will – ich Auto kaufen – kommt mal. Flo der nervige – fast hätte der Caravan mir gehört – ich hatte es fast klar gemacht!!!

Ok, mit Taschenlampen bewaffnet nehmen wir uns ES vor. Hier jetzt irgendwie ewig rum zu quatschen wäre unnötig.

Der Ascona

  • Ascona A Irmscher Breitbau
  • Zwei Liter CIH
  • Tiefer, neue Konis
  • Bügel
  • Vollschalen
  • Sportlenkrad
  • Hosenträger
  • Zusatzarmaturen
  • Edelstahl Auspuff von Jetex
  • acht mal dreizehn Ronal Felgen
  • zweihundertfünfunddreißig/sechzig/dreizehn drauf
  • Viergang
  • fünfundsiebzig % gesperrte Hinterachse mit seeehr kurzer Übersetzung
  • Topspeed: einhundertsiebzig bei achttausend Umdrehungen

Stop!!! Bitte was??? Ja – der Besitzer hat im örtlichen Dialekt die technischen Daten von sich gegeben: „Der drehd achdfünf“ „Da kannsde dir die Haare am Aufbuff föhnen – die Verdichdung is echd gud“ „Also Bergauf gehd der fei ned von der Drehzahl runder“.
„Im nassen is des a echds geeiere“

Weiter geht’s.

  • Neue fünfundvierziger Solex
  • Irmscher Ansaugbrücken
  • Irmscher Ventildeckel
  • Innenbelüftete Irmscher Festsattel Bremsanlage
  • verstärkte Kupplung
  • Ölkühler und alles was einfach sonst zu einem Rennmotor gehört, den Bauer Motorsport halt so baut

„Naja des war hald so – damals wold jeder des schnellere audo ham – da hab ich hald den gebaud.

  • Alle Eintragungen vor 1980

Wieso verkauft ein normaler Mensch dieses Auto?? Geldnot! Kein Platz! Ehekrise! --- Nein…. „wenn ich a stund mid dem audo fahr lieg ich an dag im bed – der is mir einfach zu hard – ich hab zwar schon a Wassabedd abba des hilfd da nix“

Herr F. bohrt mir langsam ein langes scharfes Schwert in den Bauch – aber das weiss er ja nicht …

Herr F. macht mich fertig – „ach die Ronalfelgen (mit passenden Muttern und sogar den Nabenkappen) ham mir nie so gefallen – des waren hald so die normalen Felgen – so ADS oder Maddig häd ich lieber gehabt.“

Die Felgen

Ich räche mich „Das Auto is aber schon ganz schön dreckig“ – Das ist Herr F. wirklich peinlich – und die zwei Raumentfeuchter stehen auch noch im Fußraum drin….

Schatz versuchts auch noch mal „Der Sprint gehört echt gefahren – was machen sie denn mit dem, wenn er nur hier drin steht???“ - Herr F. gibt die beste Antwort aller Zeiten „Besitzn!!!“

Herr F. erzählt uns noch, dass er auch noch Austauschgetriebe hat – die Gingen schon mal kaputt bei dem Auto – und fünf Gang wär übrigens nix „da schaldsd dich ja zum Grübbl“
- Herr F. macht mich wieder fertig.
Wir versuchen mehr zu erfahren über diesen Motor „ja den musst schon zwanzig Gilomeder warm fahrn bevor de da Gas gibst“ „ja also so normalerweise brauchd er schon so 13 -15 Lidder“

Christoph der Hämische – haha – Flo die Arme Sau (die in Zukunft super plus und Bleiersatz tanken muss und mit einer Tankfüllung höchstens 300 km kommt).

Herr F. erzählt wie er damals beim Einfahren vom Motor mit 70 auf der „Audobahn gfahrn is weil ich ned über drei drehn durft – voll affich – da tuckersde da auf der rechdn Spur rum“

Die weitere Information, dass nur feinstes Rennsportöl in den „Modor“ darf und der Aspekt, dass die Reifengröße garnichtmehr in Listen auftaucht stimmen mich fröhlich und lassen meinen Neid in ein gehässiges Jokergrinsen umschlagen.

Flo die Ratte.

Naja, wir gehen mit Herr F. ins Bonnis Diner essen.
Das Auto wird ohne einen größeren Handelversuch angezahlt und im März übergeben – wenn ES von einer Rennsportfirma wieder zum leben erweckt wurde.
Denn ES schlummerte die letzten sechs Jahre in dieser trockenen Halle, wurde regelmäßig per Hand durchgedreht und Motor und Karosse wurden komplett konserviert.

„Wenn ichs mir so rechd überleg hab ich von dem Audo selbst eigendlich nie viel ghabt – bin ja nie gfahrn“

Herr F. war auch entsetzt, dass wir 180 km gefahren sind, um uns das Auto anzusehen – so weit würde er nie fahren.....

Ach ja – der Lack ist übrigens schlecht - aber wen interessiert das eigentlich.

Zum Schluss wurde uns von Herr F. noch die Geschichte von dem Polterabend seines Bruders erzählt – „da haddich achd Käsdn Bier im Kofferraum – des machsde mal bei nem Audo von heud…“ Deshalb will Herr F. auch noch noch ne Heckflosse irgendwann – aber n Diesel muss es schon sein.

Kapitel 5: Wieder daheim

Beim Chicken angekommen erzählen wir alle recht fassungslos was passiert war. Und auch der Chicken weiss jetzt, dass der Rindi sich bei hundertsiebzig PS nicht versprochen hat …

Der Aspekt, dass ich den Flo in der nächsten Zeit teilweise grundlos einfach so kurz beschimpfen werde tut mir leid aber da muss er durch.

Flo der Unvernünftige. Flo, der, der dem Porschefahrer neben sich in die Augen schauen kann und einfach weiss, dass er als erster an der nächsten Ampel steht.
Flo der Scheisskerl. Flo, der das letzte mal in seinem Leben über tanken gelacht hat. Flo, der, der mit einem Breitbaugrinsen morgens aus dem Bett fällt.
ES, die zum Auto gewordene Kriegserklärung.
Eines dieser Autos, in denen man einen hunderter ins Armaturenbrett stecken kann und dem Beifahrer erzählt, dass er ihn behalten darf, wenn er es schafft während der Beschleunigung hinzugreifen.

Der Abend klingt aus – meine Freundin will schlafen – das will sie schon seid 18 Uhr.

Andrea schläft

Ralf, Schatzl und ich reden uns in Rage über dieses Auto – Flo der Hilflose. Was er da für ein Auto hat wird ihm erst irgendwann anders klar werden. Momentan tut er es noch mit dem Spruch ab, dass er eben nicht sein Leistungsgewicht durch Abnehmen geändert hat, sondern die Leistung seinem Gewicht angepasst hat.
Da das Auto sich ja bestimmt nur mit Kupplung und Gaspedal lenken lässt weiss auch kein Mensch, warum da ein Lenkrad drin ist – wahrscheinlich zum Festhalten.

Ach ja – wenn ihr mal jemanden ärgern wollt – fragt einfach den Ralf nach dem Wetter.

Flo fährt uns nach Hause – meine Freundin schläft – ich nicht.

Ich liege zwei Stunden wach und frage mich warum ich einfach nicht schlafen kann – das Engelchen und das Teufelchen auf meinen Schultern sind sich einig und flüstern beide leise in meine Ohren -

„…AUFRÜSTEN – Christoph AUFRÜSTEN…“

Zu guter letzt bleibt einem einfach nur übrig dem Flo mit diesem Auto alles Gute und viel Spaß zu wünschen – vielleicht darf ich ja irgendwann wenn ich brav bin auch mal am Ventildeckel lecken….

Warum in diesem Artikel alle Zahlen ausgeschrieben sind ??

Weil ich es nicht aushalte, die ganze Zeit 8500 U/min zu schreiben!!!!

Geschrieben von Christoph

 

 
 
 
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