site logo
 
   
 
Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna? Der Ascona B Roadtrip

 

Grundsätzlich ist man ja nicht ständig auf der Suche nach neuen Autos, im Gegenteil, denn leisten kann man sie sich eh nie, im Moment is grad schlecht, mal schauen, vielleicht, ja äh doch zu teuer. So oder so ähnlich gings zumindest mir in der letzten Zeit. Der Kadett hat frisch TÜV und läuft einwandfrei. Aber irgendwie ständig im Alltag damit zu heizen, ne, da muss was anderes her. Die Suche war lang, nicht wirklich zielgerichtet auf ein spezielles Fahrzeug oder eine spezielle Marke. Das einzige was es haben sollte: Mehr Leistung! Zwölfer fahren macht Spaß, aber mal was mit bums wär schon geil, irgendwie!

Es ist Dienstag Nachmittag, Peter kommt heim und schaut wie gewohnt nach neuen Mails. Eine neue Nachricht aus dem OHF. Hmmm da hatte ich ja bei einem User angefragt, in welcher Preisregion er denn den eingestellten Ascona B veräußern wollen würde. Allerdings waren die angesetzten 1200 noch viel zu hoch, zumal das Auto bei Aachen steht. Zurück zur Mail: Der Preis ist jetzt 800. Scheisse. Wer kennt sie nicht, diese Momente in denen man einfach nichtmehr denken kann? Soll ich zuschlagen? Ja? Nein? Lieber doch nicht? Oder doch? Also erstmal Leute anrufen, Daten nennen und hoffen, dass sie einem das Ding ausreden.
Die Daten: 2l Motor, angeblich mit Schmiedekolben, i200 Kopf, überholter Motor, 5 Gang Getrag, 3,44er Hinterachse, Große Bremsanlage vom Manta. Viertürige Karosse, geschweisst mit einem Jahr TÜV. Schwarz mit der Spraydose lackiert, 7x13er ET 3 ATS Sterne mit 205/60/13 Reifen. Angemeldet natürlich.
Erster Anruf: Sepp, was kann der Motor so mit dem Kopf. Die angeblichen 120 PS klingen ehrlich, für den Preis okay. Weiter telefoniert: Stephan: Ja geil, Alltagskarre logisch, kaufen! Dritter: Flo: Ja den hab ich heut auch schon gesehen, hab ich mir gedacht der klingt super, ja also alleine die Daten ja, kaufen! Suuper, irgendwie hats mit dem Plan nicht so ganz funktioniert. Also Finanzen checken, anrufen.

Erstes Telefonat mit Dirk, dem Verkäufer in 630 Kilometer Entfernung. Klingt alles gut, der Wagen soll schnell weg. Abends geb ich ihm dann bescheid, ob ich ihn kaufe. Internet gecheckt, wie kommt man am schnellsten und günstigsten nach Aachen. Zug scheidet aus, viel zu teuer. Fliegen zwar günstiger als Zug aber immer noch zu teuer. Mitfahrzentrale, hmm ja hier wär jemand der mich für 30 Euro mit rauf nimmt. Problem: Abfahrt nachmittags, sprich Ankunft mitten in der Nacht. Irgendwie blöd zum Auto anschauen. Also weitersuchen. Verdammt es muss doch einen günstigen Weg geben. Möglichst bald natürlich. Wochenendticket fällt aus, da bei den 17 Stunden Fahrt teilweise Pausen von mehreren Stunden mitten in der Nacht irgendwo in Deutschland inklusive sind. Größtes Problem: Was machen wenn der Wagen nichts taugt? Dann muss der Flug, der Zug oder was auch immer erneut gezahlt werden damit man wieder heim kommt. Verdammt, ich will aber!
Mit der Freundin telefoniert, damit einen wenigstens irgendwer auf den Boden der Tatsachen zurückholt und erklärt dass es Schwachsinn ist: Ich komm mit, kann aber nur heut weil morgen Abend Arbeit. Juhu. Nur noch mehr Verrückte. Meinen Dad gefragt ob ich seinen Diesel haben könnte, er leiht ihn zwar eh nicht her, aber gefragt hat man dann wenigstens. „Na klar, kannst haben“. Ja verdammt nochmal, is schon super dass mich jeder unterstützt, aber...

Wieder geplant, Fahrt rauf und runter mitm Diesel plus Sprit fürn Ascona billiger als zwei Leute mit Flugzeug oder Bahn. Und vor allem auch praktisch falls nichts aus dem Kauf wird.
Der Plan wäre: Heut nacht losfahren, morgen Früh Auto anschauen und kaufen dann zurück. Dirk angerufen, ne morgen früh geht nicht, er muss arbeiten (wie wohl jeder normale Mensch am Mittwoch vormittag). Das würde heissen, Abfahrt vormittags, Rückkehr gegen Mitternacht. Freundin fällt somit aus. Über eine Stunde lang hab ich mein gesamtes Telefonbuch durchtelefoniert nur um zu dem Ergebnis zu kommen: Niemand hat Zeit für so einen Mördertrip. Verdammt!
Problem ist, wenn ich schonmal das Auto bekomm, muss man es ja auch nutzen. Und da mein Vater es oft braucht, stehen die Chancen nicht wirklich gut.
Doch nochmal mit Dirk telefoniert, gings wirklich nicht, würd auch so kommen dass es vor der Arbeit wär, er müsse nur ein wenig früher aufstehen. Überzeugt war er nicht ganz, aber okay „er lässt sich auf der Arbeit halt mal blicken“ und gut is. Juhu.

Mittlerweile ist es 17.30 Uhr, Abfahrt ist um 2 Uhr. Nochmal kurz zum Christoph und Ingo geschaut, bissl runterkommen vom Telefonstress. Danach zum Chicken, die Anzeige mal ausgedruckt durch die Runde gehen lassen, hoffen auf wenigstens einen der sagt: Is doch scheisse. Aber auch hier Fehlanzeige.
Gegen zehn bin ich dann zuhause, noch die Route ausdrucken, Navi von meinem Bruder klar machen, Essen, Schlafen. Soweit in der Theorie. Natürlich kann man, wenn man „drauf“ ist nicht schlafen auch wenn man das dringenst tun sollte. Interessante Dokumentationen im Fernsehen über moderne und antiquierte Kriegsgeräte verfehlen aber ihre Wirkung und somit muss 15 Minuten vor sich hin schlummern ausreichen.

Die Fahrt verläuft eigentlich völlig unspektakulär, die Autobahnen sind alle frei, nur ein paar LKWs, ab und zu mal ein Regenschauer aber sonst absolut problemlos. Nur auf der A4, dem letzten Stückchen Autobahn ein wenig dichter Verkehr. Ein Anruf von Dirk gegen sieben Uhr morgens: „Hallo, bist Du unterwegs?“ wird mit einem „Na klar, sind in ner Stunde bei Dir“ meinerseits beantwortet. Ich weiß die Antwort leider nichtmehr genau, aber es war wohl in die Richtung „krass“ oder „wahnsinn“.
Die richtige Ausfahrt haben wir dank unzähliger Baustellen natürlich nicht gefunden, nach ein paar Minuten herumgeeiere wird das Navi angesteckt. Die moderne Technik hat Probleme uns zu lokalisieren. Juhu. Und dabei stehen wir mitten auf einer riesengroßen Straße unter freiem Himmel. Auch nach einem Standortwechsel keine Chance. Also Technik weggepackt, Fenster runter und fragen. Zum Glück treffen wir nach einiger Zeit auf eine Mutter die ihr Kind in den Kindergarten bringen will. Dieser befindet sich genau in der Straße in der auch der Ascona steht. Juhu! Also hinterher. Vielen Dank an dieser Stelle, wir hätten nie, aber auch wirklich niemals alleine dorthingefunden. Weder Karte noch Navi waren uns eine Hilfe diesen Ort zu finden. Denn Alsdorf besteht aus vielen kleinen Ortsteilen die verstreut sind. Ich weiß nicht wieviele Alsdörfer wir gefunden haben, aber es waren viele.

Am Ziel werden wir erstmal mit Kaffee und Frühstück versorgt. Danach wurde das Auto besichtigt, eine Proberunde gedreht, gequatscht, gehandelt, gekauft. Juhu.

Der Ascona B

Erster Weg war die Tanke. Wer meint zu leiden wenn er sein Auto volltankt, hat keine Ahnung wie es ist wenn man zwei Autos volltanken muss. Vor allem wenn der Diesel 6,2 l verbraucht hat und man genau weiß, der Ascona schafft die Strecke nicht mit einer dreiviertel Tankfüllung. Aber hilft ja nix, rein das gute Zeug und heim. Oder auch zum Burgerking der da irgendwie auf dem Weg lag.

Auf der Rückfahrt war deutlich zu viel Verkehr, die Reise hat gleich mal mit einem Stau begonnen. Bis auf zwei drei kurze Stellen an denen sich der Verkehr mal ein wenig staute verlief es aber problemlos. Alleine im Auto ohne Musik sind 600 Kilometer aber kein Spaß, man fängt an sich mit Eigenkreationen wach zu halten, ab und zu bekommt man das zwar von fiesen Schlaglöchern oder miesen Teerdecken abgenommen, im Großen und Ganzen jedoch ist es wirklich schwer wach zu bleiben.

Nach etlichen Pausen, 1300 Kilometern, 17 Stunden auf der Autobahn (!), 140 Litern Sprit und einem Verbrauch von 6,2l (Diesel) und 9,5l (Benzin) sind wir dann doch angekommen. Es war hart, aber es ist überstanden. Zum Glück musste ich jetzt nichtmehr arbeiten. Nach ein paar kleinen Runden im Kreis um die Errungenschaft zu präsentieren sind wir dann beide in einen Komaschlaf gefallen der leider viel zu früh bereits wieder unterbrochen wurde.Vielen Dank an meine Freundin, es war echt scheisse anstrengend, grade zum Schluss hin.

Und: 2 Liter fahren ist einfach geil!

Ascona B und Astra an der Raststätte

Geschrieben von Peter

 

 
 
 
forum
contact