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Urlaub 2006 - Ein Planungsdisaster vom allerfeinsten

 

Urlaub 2006 – Ein Planungsdisaster vom allerfeinsten

Wo fange ich an, wenn ich vom diesjährigen Urlaub berichten möchte. Zu allererst: Ja es hat was mit alten Autos zu tun, deswegen ist der Artikel hier auch an der richtigen Stelle. Aber bevor ich dazu komme,

Die Vorgeschichte:

Bereits zu Beginn des Jahres wurde die Diskussion laut, wie denn der diesjährige Urlaub verbracht werden soll. Zusammen mit dem Hauptmitstreiter Christoph kam die Idee auf, nach Mallorca zu fliegen. Flüge gibts günstig, Übernachtung umsonst wenns klappt und Auto oder Fahrrad mieten ist ebenso erschwinglich. Blöd nur wenn man keine Leute findet die rechtzeitig bescheid geben können denn Billigflüge werden seltener je weiter der Kalender sich der Hälfte neigt.
Also saßen wir im Juni immer noch genauso planlos vorm Rechner und suchten nach günstigen Zielen. Das einzige das klar war, war der Zeitraum, Anfang August. Immerhin etwas.

Flo konnte nicht, der einzige im übrigen mit durchaus annehmbaren Argumenten. Der Rest war von der Idee hellauf begeistert zusammen, vielleicht sogar mit den „alten Kisten“ in den Urlaub zu fahren, wenns dann aber darum ging einfach mal definitv ja zu sagen wurde es sehr sehr still.

Tja der August kam näher und irgendwie schaute es immer schlechter aus. Mallorca war definitv gestrichen denn es gab weder günstige Flüge noch konnte unsere Unterkunft erreicht werden. Zudem stand Christophs Umzug ins Schwabenländle an und somit klinkte er sich komplett aus. Sowas könnte man als neuen, ultimativen Tiefstand beschreiben.

Da meine Freundin eifrig an ihrer Diplomarbeit arbeitete schien mir auch diese Alternative relativ aussichtslos, war es doch nicht meine Absicht hinterher für schuldig erklärt zu werden wenn die Zeit knapp wird.

Wie zumindest die meisten von uns aber wissen gibts gerade dann, wenn man überhaupt gar nicht dran glaubt nen Lichtblitz. Das gemeine an diesem ist jedoch, man muss dann ganz fix was draus machen sonst hat man verspielt.

Ich weiß leider nichtmehr genau welcher Tag es war, jedenfalls saß ich vorm Rechner und surfte so die Standart-Seiten ab. Soll heissen das Hecktriebler-Forum sowie das OSG-Forum. In einem Thread laß ich dann dass ein gewisser Knudsen seine X-tausend Kilometer das Jahr über problemlos runtergespult hat. Ja und im nächsten Thread gings um die Strecken die die alten Kisten in diesem Jahr gemeistert haben. Da waren Trips nach Frankreich, Belgien, Kroatien und sonstwo dabei. Und just in diesem Moment machte es, ich bin mir fast sicher, hörbar klick. Wieso stand mein Auto dieses Jahr so viel in der Garage? Ach ja da war ja ein Alltagsauto, denn der Kadett sollte ja geschont werden. Moment. Irgendwas läuft hier falsch! Das Auto muss gefälligst bewegt werden! Wetter passt auch also zum Geier nochmal, raus, raus und die Welt erkunden!

Soweit mag das jetzt klingen nach ins Auto setzen und losfahren, aber wer aufmerksam mitgelesen hat, dem fällt auf: Alleine oder wie? Ja das alte Problem war wieder da. Hmmm also Flo fällt definitiv aus, mein ehemaliger Hauptmitstreiter zieht einen neumodischen BMW mit Richtung Toskana vor und der Rest, ja der Rest hat entweder keine Zeit, keine Lust oder ähnlich klingende Gründe. Toll!

Also hab ich meine Freundin wieder angerufen, Duuuuu ich hätt da ne Idee... Mehr musste ich fast nicht sagen, ich hatte sofort ne Zusage! Hauptproblem gelöst, jetzt gilts nur noch: Wo wollen wir eigentlich hin?
Es gab ein paar Ecken die definitv aufm Programm standen, es galt nun nur noch diese irgendwie zu verknüpfen. Definitves Ziel: Schweiz. Auch wenn viele negative Erfahrungen gemacht haben, ich will da unbedingt mal hin! Eigene Meinung bilden!

Letztendlich (fragt mich bitte nicht wie wir genau darauf gekommen sind) stand die Route grob fest: Bodensee (endlich mal den Audigandalf aka Christian besuchen) dann weiter durch die Schweiz nach Frankreich ans Meer! Zurück egal Hauptsache viel fahren, wenig rasten. Und natürlich keine Autobahn! Aber das versteht sich eh von selbst wenn man was von der Welt sehen will!

Der Trip:

Los gings Sonntag gegen halb sechs. Eigentlicher Plan war spätestens 16 Uhr aber es war der Erste im Monat und somit stand Volksplatzen auf dem Programm. Absolute Pflichtveranstaltung! Natürlich verquatscht, also um fünf mit Vollgas zur Rhea damits endlich losgeht. Eigentlich hatte ich mir extra eine super Route aus dem Motorrad-Routenplaner gelassen die so richtig halli-galli drecksau Überland zum Christian führt. Nur der Haken: Dauer über 4,5 Stunden. Tja da wir da ja auch noch ankommen wollten, es regnete und bald dunkel wurde eben doch laaaaaangweilig über die Lindauer-Autobahn. Verdammt fängt ja schon gut an, mit Autobahn und Regen. Das Abdichten der Scheibendichtung war nur zum Teil von Vorteil, es war lange Zeit trocken dafür kam dann die Fontäne, irgendwie blöd. Aber davon nur nicht den Trip versauen lassen!

Kurzer Zwischenstop nach der Blitzermeile am See (da stehen wirklich 7 Blitzer im Abstand von 50m hintereinander) beim König der Burger (selten so abstoßendes Publikum erlebt) und weiter gehts.
Christians Beschreibung: Ihr seht mein Haus dann schon, alte Autos vor nem alten Fachwerkshaus mit Gerüst).
Erste Zweifel: Hier gibts verdammt viele alte Fachwerkshäuser, aber, in diesem Fall zum Glück wenige alte Autos. Aber absolut problemlos hingefunden. Eingetroffen, Christian hat extra schon Betten hergerichten. Service besser als in jedem Restaurant! Der Grill war sofort angeheizt, das Tannenzäpfle kühl gestellt, was will man mehr?

Wir rasteten nicht lang, dann wurden uns gleichmal die umliegenden Bergstraßen gezeigt! Wieso haben wir sowas nicht vor der Tür?
Als wir mit, natürlich immer angepasster Geschwindigkeit, einen Berg erklimmten kam uns, wie sollte es auch anders sein, ein blauer C Kadett entgegen der natürlich gegrüßt werden musste! Nach einigen Kilometern rund um Christians Heim (ich würde da nie wieder irgendwohin finden!) gings zurück zu den Audis und dem Grill.

Der Abend war sehr gemütlich, der Plan war morgens dann nach dem Frühstück Richtung Schweiz weiter zu fahren.
Am nächsten Morgen allerdings immer noch schlechtes Wetter und das Angebot doch noch nen Tag zu bleiben verlockte doch sehr. Also gemütlichst gefrühstückt (Es gab sogar frische Semmeln aus Stockach!!!) und dann raus vor die Tür Autos anschauen. Plötzlich packt der Christian ne Politur aus und meint dass mein Lack die mal dringend nötig hätte. Neee Christian da is nix mehr zu machen, der Stand jahrelang unterm Baum da muss neuer Lack drauf! Doch doch das probier ich jetzt mal.
Das Ergebnis: Ich hab wohl ne Ewigkeit meine Motorhaube polieren müssen denn das Zeug ist echt der Wahnsinn! Aber Bilder sagen mehr als tausend Worte.

 


Ja wir wollten eigentlich an den See fahren, meine Freundin war schon ein wenig ungeduldig, aber das war das Wunder des Urlaubs und nach dem Ergebnis kann man doch nicht mit so ner matten Motorhaube in die Schweiz, das geht nun gar nicht.

Am See dann war meine biologie studierende Liebe doch ganz schön baff dass es dort Feigen und Kakteen gibt. Der Christian nutzte das natürlich schamlos aus und erzählte von der Insel Mainau und wie toll es dort ist und dass wir da mal wiederkommen müssen...
Nach einem Spaziergang am See und anschließendem Bierchen nebst Zaubertrick ging es dann wieder an den 5 Minuten Grill mit Brandbeschleuniger und ein weiteres Tannenzäpfle wurde geopfert. Morgen solls dann aber doch weitergehen, wir hätten zwar noch tagelang bleiben können, ist wirklich sehr gemütlich und die Bewirtung weltklasse aber das Ziel war ja doch die Schweiz. Da half es auch nicht, dass uns der Christian wilde Geschichten über die Schweiz erzählte und die Tatsache dass er wohl zu Auffällig für das Lang war. Ziel ist Ziel also am nächsten Morgen nach dem erneut erstklassigen Frühstück

Aufbruch Richtung Schweiz! Kleines Stück Autobahn war dabei allerdings nur sehr kurz. In der Schweiz erstmal ne kurze Orientierung welches Schild denn jetzt auf die Autobahn führt und somit gemieden werden muss. Ach ja der Zoll hat uns natürlich durchgewunken. Weitergefahren Richtung Zürich. Aus Streckentechnischen Gründen die Schweiz wieder verlassen, wieder durchn Zoll ohne Probleme, nur die Ausweise wollten sie sehen. Dann nach 5km wieder Zoll, wieder rein in die Schweiz. Fiese Strecke! Direkt nach der Kontrolle gings fies den Berg rauf. Überall Polizei. Kacke! Wer mein Auto kennt weiß dass es schön „leise“ zu fahren ist, allerdings nicht unter Volllast. Tja hilft ja nix, den Berg muss man rauf also wieso schleichen. Mit Vollgas rauf, der Kadett hat gebrüllt was das Zeug hält. Kein Beamter hat sich auch nur umgedreht. Puuuuhhh Glück gehabt! Schweizer Polizei ist cool!

Mein Navigationssystem auf dem Beifahrersitz hat stets die Strecken rausgesucht, es ging entlang der Seen Berg auf und Berg ab. Ab dem ersten Meter Schweiz hatten wir nur wunderschöne Strecken unter den Reifen, sehr kurvenreich und eine wunderschöne Landschaft. Herrlich! Ich liebe die Schweiz!
Jeder meckert über die Geschwindigkeitsbeschränkung, wir haben sie nicht mitbekommen. Schneller als 80 hats mein Kadett den Berg rauf nie gepackt und die Landschaft verleitet eher zum genüsslichen Kurvenheizen und wenn mal ein gerades Stück kommt zum genießen der Landschaft!

Allerdings stellen sich auch gleich die ersten Probleme ein nachdem wir, ich weiß nicht mehr, drei, vier, fünf oder sechs Bergpässe gefahren waren: Das Getriebe jault! Himmel is mir teilweise Angst geworden dass das Ding gleich den Geist auf gibt. Also Opelwerkstatt gesucht wegen Getriebeöl zum Nachfüllen. Für 5 Franken nen Kanister bekommen, nebenbei nen wunderschönen Manta gesehen und dann ab auf nen Campingplatz. Die Leute dort waren sehr nett, der Platz klein aber fein und günstig! Auto schräg auf den Hang gestellt, schnell Mittelkonsole und Instrumente raus und Öl nachfüllen bevor es dunkel wird! Hoffentlich wirds dadurch besser!

Das Grillen auf dem Fertiggrill stelle sich schwerer heraus als gedacht denn es fing auf den ca. 1400 Metern an zu regnen. Na toll! Aber die Schweizer sind freundliche, wenn auch wortkarge Menschen und so durften wir das provisorische Dach unserer Camping-Nachbarn nutzen.

Am nächsten Tag gings weiter, das Getriebe heulte genauso wie am Vortag aber hielt der Beanspruchung stand! Die Strecken die wir gefahren sind kann ich nicht in Worte fassen. Es ging bergauf, eine Kehre nach der anderen und wieder hinab, natürlich ebenfalls nicht gerade. Eigentlich kam alle fünf Minuten ein Mendelpass hinter dem anderen! Es dauert keine 10 Minuten und man is auf 2500 Metern und sieht keine 5m weit. Dann ist man wieder auf 1000 Metern und hat beste Sicht. Einfach unbeschreiblich!

 

Ankunft am Mont Blanc. Sieht wirklich gigantisch aus! Nanu? So viele Menschen auf der Straße? Hilfe voll ins Touri-Nest getappt. Schnell über die Grenze nach Frankreich. Tanken. Erster Eindruck: Boaaah is der Sprit teuer! Teurer als bei uns! Zweiter Eindruck: Trotz jahrelanger Qual des Schulfranzösischs kein Wort verstanden. Dritter Eindruck: Kaputte Straßen! Vierter und letzter Eindruck: Alle Autos verbeult. Neeeee da will ich nicht hin. Ein kritischer Blick zur Beifahrerin die meine Gedanken lesen konnte: „OK“ und wir drehten um. Dann lieber durch die Alpen nach Österreich. Soviel also zum Plan. Egal, es gab jede Menge Pässe die es galt zu befahren!

Die nächsten Stunden zauberten einfach nur ein Grinsen in unsere Gesichter, die Straßen waren absolut göttlich! Links rechts rauf runter der Wahnsinn! Und der Kadett hält durch!

Die Suche nach einem Supermarkt ist nicht immer leicht in diesen Gegenden, wir haben glaub ich den abgeschiedensten überhaupt entdeckt. Es geht schon los dass man winzige Bergsträßchen einen Berg hinauf folgt, der Parkplatz ein ehemaliger Bunker mitten in diesem ist und man dann zu Fuß nochmal eine irrsinnige Steigung zurücklegen muss. Aber dafür ist dann der Supermarkt auch noch dermaßen versteckt dass man schon mehrere Male daran vorbeilaufen kann!

Da wir einen tollen ADAC Atlas von 2001 dabei hatten und da eine Straße drin stand die noch im Bau war und so ein paar kleine Privatstraßen fuhren wir in deren Richtung. Leider sollte man genau das jedoch nicht tun, denn auch nach 4 Runden in einem Kurdorf mit 40er Weber findet man nur einen Weg raus, nämlich den, den man gekommen ist! Tja war ein Umweg aber ein schöner!

Unterwegs stand dann ein wunderschöner Ascona B bei einem Händler zum Verkauf. Leider hatte dieser gerade Urlaub und ausser einem extrem anhänglichen und verschmusten Wachhund war niemand da. Wie aus dem Laden der Ascona!

Irgendwie wurde das Wetter immer schlechter, es fing an zu regnen und war kalt. Die Schweizer haben aber lustige kleine Häuschen mit nem Computer drin und einem Telefon mit dem man kostenlos die ganzen Hotels und Unterkünfte in der Umgebung anrufen kann. Tolle Sache aber hilft einem auch nichts wenn man in einem Wintersportgebiet ausserhalb der Saison ist. Und wenn ein Hostal offen hatte waren die Preise irgendwie zu hoch. Also weiterfahren.

Österreich war nicht mehr weit also Ziel: Österreich. Der Sprit dort ist teurer als in der Schweiz, das war irgendwie ein schwerer Schock, denn damit hatten wir nicht gerechnet. Gut, waren nur zwei Cent aber immerhin!

Irgendwie hatte ich dann die Idee jetzt einfach durchzufahren und heim zu fahren bei dem Sauwetter, lieber zu einem späteren Zeitpunkt nochmal in die Schweiz zu fahran. Gesagt getan, gegen 3 waren wir dann zuhause. Ein ziemlich unspektakuläres Ende für einen solchen Roadtrip, ich weiß. Aber es war genau so. 1500 Kilometer.

Die Schlussworte:

Es war ein wahnsinns Trip, vielleicht kommt das auf den Fotos auch ein bisschen rüber! Wer ist nächstes Jahr dabei? Wir werden sicherlich wieder dort sein!

Und ich bin zu folgenden Schlüssen gekommen:

  • Die Schweiz ist nicht so teuer wie jeder sagt. Ja wenn man essen geht oder ins Hotel dann schon, aber weder im Supermarkt noch an der Tanke oder am Campingplatz!
  • Der Zoll hat nur einmal nach den Ausweisen gefragt, sonst nur durchgewunken
  • Meine Beifahrerin ist Kurvenfest und hat die besten Kurven ;)
  • Die Schweizer Polizeit ist cool, uns sind auf dem gesamtem Weg zweimal Quer durch die gesamte Schweiz nur sieben Polizeitautos entgegen gekommen die sich nicht ansatzweise für die schreiende Karre interessiert haben.
  • Ich will nie wieder nach Frankreich
  • Man kann den 12er mit 40er Weber auch mit 7,5 Litern Verbrauch mit Vollgas durch die Alpen jagen!
  • Ich steh voll auf die Schweiz

    Einige Details fehlen sicherlich, ich habe den Roadtrip leider viel zu spät verfasst. Ich hoffe aber das wichtigste trotzdem erfasst zu haben!

  • Geschrieben von Peter

     

     
     
     
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