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Schweden in 4 Tagen - Oder Schwedentrip Part I

Zuerst zur Rahmenhandlung. Zwei total verplante, chaotische junge Personen in Schweden. Eine davon nur für knappe zwei Wochen zu besuch, die andere ein wenig länger um dort wissenschaftliche Experimente durchzuführen. Ausgangspunkt ist Lund im Süden in der Nähe von Malmö. Wir beschließen irgendwann am Mittwoch dass wir von Montag bis Donnerstag doch ein Auto mieten könnten und damit Öland und Schweden ein wenig zu erkunden. Gesagt getan.
Die Preisunterschiede der einzelnen Vermieter im Internet sind extrem, die ersten Ergebnisse hauen uns fast vom Hocker! Man will uns fast 3000 Schwedische Kronen abknöpfen, nein das geht doch einfach nicht und vor allem nicht für nen kleinen Mini-Skoda! Also wird eifrig weitergesucht und es kristallisiert sich schnell heraus: Es muss ein Kombi sein, nur für den Fall dass wir vielleicht doch keine Unterkunft finden und im Auto übernachten müssten (wir machten uns noch lustig drüber...).
Nun gut wir sind fündig geworden und waren somit ab Montag mit einem neuen Opel Astra Kombi mit satten 1,6l Hubraum vom Acker. Der Kilometerzähler zeigt 13800 Kilometer in etwa an. Erster Eindruck: igitt is ja alles digital, wo geht das Radio an, wieso hab ich am Lenkrad so viele Schalter und überhaupt!
Die erste Kreuzung, der erste Versuch den Blinker zu betätigen. Ein leises Fluchen verwandelt sich in anhaltendes Schimpfen über die moderne Technik. Nein es gibt keinen Blinkerhebel im eigentlichen Sinne mehr, es ist digital. Blinker antippen bedeutet dreimal blinken. Blinder fest runter oder rauf drücken dauerhaftes blinken. Wenn der Blinker durch eine zu kleine Kurve nicht zurückschnappt muss man ihn leicht (!) in die Gegenrichtung drücken, drückt man zu fest, blinkt er fest in die andere Richtung. Das allein wäre ja nicht so schlimm gewesen, wenn das klicken des Relés nicht durch einen Soundprozessor imitiert werden würde, der total eklick klick klick klick macht.
Wie sich später herausstellen sollte, ist das jedoch das kleinere Übel. Zieht man die Handbremse an, kommt ein Biiiiiiing Warnzeichen dass die Handbremse gezogen ist. Nun gut, das mag den Ottonormal-Familienvater nicht stören, wenn man jedoch aus mangelnder Antriebskraft an der Hinterachse gezwungen ist, die Handbremse des öfteren anzuziehen um irgendwie um ne Kurve zu kommen, erscheint dieses Phänomen durchaus häufiger und geht einem gelinde gesagt tierisch aufn Sack!

Die ersten Kilometer sind gefahren, erschrecken bei der Betrachung der Armaturen. Es gibt nichtmal ne Temperaturanzeige, geschweige denn eine Anzeige dass der Motor noch kalt ist. Das Auto spricht nicht mit mir. Ich kann es weder hören (unten rum grummelt er durchaus ein wenig willig, aber mehr als ein flüstern kann man ihm auch bei 7000 Touren nicht entlocken). Aber dafür gibt er sich gerade in den unteren Drehzahlen erstaunlich willig. Flott unterwegs sein klappt schonmal recht gut.

Peter im geliehenen Astra

Nun gut soviel zunächst zum Auto, jetzt beginnt der eigentliche Roadtrip. Wir eiern ein wenig in Lund herum, müssen noch einkaufen und dann die Sachen ins Auto packen und einen kleien Reiseproviant vorbereiten. Problem Nr. 1: Die Schweden zahlen zwar alle bargeldlos, haben aber scheinbar immer Kleingeld in der Tasche. Egal wo, man braucht immer einzelne Kronen z.B. für den Parkplatz. Also wird die Parkuhr aus Mangel an Münzen mit dem gefüttert was da ist.

Aufbruch gehen 15.30 Uhr, es fängt bereits an zu dämmern. Stimmt da war ja noch was, hier ist es ja den ganzen Tag eigentlich Nacht, zumindest wenn man erst Mittags aufsteht. Öland liegt im Osten soviel wissen wir, es sind ca. 300 Kilometer und eine Karte braucht man nicht. Schwupps sind wir auf der richtigen Schnellstraße oder Autobahn (woran man diese unterscheidet ist mir bislang nicht bekannt).
Man weiß nie wie schnell man wirklich fahren darf, hier ist das allerdings kein Problem denn es gibt genug andere Verkehrsteilnehmer an denen man sich orientieren kann. Hmmm was ist denn das für ein Schalter da am Blinkerhebel? Cool unser Auto hat nen Tempomat! Da die Straßen eigentlich nur gerade aus gehen ist das ganz praktsich. Dann jedoch ein seltsames Manöver vor uns. Wir nähren uns einem Auto ganz langsam. Dieses fährt auf den Standstreifen und blinkt kurz rechts. Hmmm sollen wir da jetzt vorbeifahren? Da es der Gegenverkehr gerade zulässt wird also überholt. Natürlich bedanken wir uns aber wundern uns doch ein wenig was das jetzt sollte. Diese Manöver werden öfter festgestellt und von uns genauestens Analysiert.
Die Schweden sind also ein wirkich mitdenkendes und zuvorkommendes Völkchen. Wenn einer schneller ist, wird ihm Platz gemacht! Vielen Dank hierbei an die vielen LKW Fahrer (hier ist die Maximallast nicht 40 Tonnen wie bei uns sondern 60!) die einem immer schön Platz machen! So macht autofahren Spaß! Wir brauchen unseren Tempomat eigentlich nie korrigieren!

Ölandbrücke

Die Beschilderung ist einmalig, wir finden sofort und problemlos unseren Weg über die Kilometerlange Brücke direkt nach Öland. Dort angekommen suchen wir ein Einkaufszentrum auf um ein paar Kleinigkeiten zu kaufen. Kurze Diskussion vor dem Infoschild davor mit der Karte von Öland darauf wie der weitere Plan aussieht. Süden! Im Süden gibts einen Leuchtturm, ein Vogel und Naturschutzgebiet und überhaupt im Süden haben wir auch vorher eine Jugendherberge ausgemacht in der wir übernachten wollen.

Nordfahrt

Zur Information, Öland ist ca. 150 Kilometer lang und 22 Kilometer breit. Wir fahren über große und kleine Straßen in den Süden, irgendwie nett, die ganzen kleinen Häuschen, der Schnee, die Spiegelglatten Straßen. Apropos, jede Straße ist geräumt. Uns kommt aber seit ner Ewigkeit kein Auto entgegen. Oder folgt uns. Wir sehen nichtmal Leute. Heisst es nicht Öland sondern Ödland? Komisch. Wir folgen Schildern die grob in unsere gewünschte Richtung zeigen. Die Straße wird immer kleiner und rutschiger, plötzlich hört sie auf! Wir stehen im Tiefschnee. Blöd! Gaaaanz vorsichtig umdrehen, nur nicht eingraben und wieder zurück. Andere Straße probieren. Ja wir sind im Naturschutzgebiet am Leuchtturm. Kurz aussteigen, frieren im Wind schnell wieder ins Auto und den Luxus moderner Automobile voll ausschöpfen: Den Eiergrill (auch bekannt als Sitzheizung) auf volle Stufe!
Die Herberge ist auch schnell gefunden jedoch kann man nur bis 15 Uhr einchecken. Blöd dass wir da jetzt um 19 Uhr stehen. Nun gut, fahren wir eben ein wenig rum, es gibt ja nicht nur diese eine. Wir entdecken ein neues Symbol auf den Straßenschildern. Wanderheime. Stimmt davon haben wir schonmal ganz entfernt gehört. Die Tür ist offen, die Küche auch aber sonst ist niemand da, die Zimmer und Toiletten sind abgesperrt. Verdammt.
Es ist noch nichtmal 8 aber irgendwie sind wir doch müde, also wofür haben wir extra nen Kombi genommen, müssen wir halt mit dem einen Schlafsack und der Wolldecke drin schlafen. Neben dem Wanderheim ein Plätzchen zum stehenbleiben gesucht, Rücksitzbank umgeklappt und versucht irgendwie gemütlich zu schlafen. Nach nichtmal zwei Stunden ist die Nase jedoch bereits eingefroren, mist bei -4 Grad im Schneetreiben ist es keine gute Idee im Auto zu schlafen! Also Motor an und die Heizung auf volle Pulle. Leider ist es in Schweden jedoch Pflicht immer mit Licht zu fahren. Deswegen geht das auch von ganz allein an, sobald der Motor läuft. Tja sorry lieber Schwede der gegenüber von uns im Haus wohnt, aber wir müssen Dich jetzt beleuchten, hilft ja nix!

Nach einigen erneuten Versuchen und einem mittlerweile leicht motzigen Peter ist es beschlossene Sache gegen vier Uhr: Wir fahren jetzt irgendwohin, egal wohin, hauptsache der Motor läuft, es ist warm und ich muss mich nichtmehr in den engen Schlafsack quetschen! Gesagt getan, wir sind dann Richtung Norden gefahren. Die Straßen gefroren, Spiegelglatt aber alles total verlassen. Dabei fallen uns lustige Schilder auf. Die Schweden warnen wirklich vor jedem Tier. Es gibt Warnschilder für alles. Achtung Elche, wird ja wohl das bekannteste sein, aber es gibt sie auch für Hirsche, Gänse, Pferde, Kühe, Hund und und und. Leider haben wir es vergessen diese zu fotografieren, das wird aber ganz sicher noch nachgeholt! (Schweden Roadtrip Teil 2 ist bereits in der Planung)

Der Schlafplatz

Vor einem kleinen Häuschen finden wir einen Parkplatz auf dem wir niemanden stören und unseren Schlaf fortsetzen können. Diesmal versuchen wir eine andere Taktik. Auf den sitzen die noch warm von der Sitzheizung ist. Klappt viel besser! Es wird hell. Juhu! Gegen halb neun erscheinen dann vereinzelt auch die ersten Autos auf den Straßen. Von Verkehr keine Rede, hin und wieder mal eines.
Wir fahren weiter auf der Suche nach einer Unterkunft, denn bevor wir uns die Insel weiter anschauen wollen, muss es sicher sein dass die nächste Nacht im Bett und nicht im Auto verbracht wird!

Am Ende der Welt

Beinahe verzweifelt finden wir im abgelegensten Örtchen in der beinahe unbefahrbaren Straße ein Wanderheim das offen hat! Juhu! Wir haben ein Riesenwohnzimmer, eine gigantische Küche und ein schönes Zimmer für uns ganz allein!

Mitten im Wald


Motiviert machen wir uns also auf die Nordspitze zu erkunden. Ein kleiner Weg drängt sich uns auf, keiner Weiß wohin er führt aber es gibt Spuren die befahrbar sind. Wir fahren direkt an den Klippen zum Meer entlang. Die Spuren werden kleiner, tiefer. Ein paar Wanderer kommen uns entgegen und grüßen uns. Sie winken uns zumindest zu. Wissen sie was kommt? Wir fahren weiter. Die Spuren werden nochmals kleiner uns tiefer, kurzer Check wieviel Bodenfreiheit wir noch haben. Genuuuuuuug (jaja immer die Leute die sonst nur tiefergelegtes fahren) also weiter! Wir fahren bereits fast 5 Kilometer auf diesem „Weg“. Plötzlich führt uns dieser in den Wald. Nach fast 10 Kilometern kommen wir dann doch wieder auf eine „Straße“. Wir sind im Nordzipfel kreuz und quer irgendwie herumgefahren. Wow. Wir finden auf dem Weg immer wieder kleine Wege die natürlich erkundet werden müssen, was man dort nicht alles findet. Ein verlassenes Haus mit Boot und privatem Schrottplatz im Hof, eine eingeschneite Langnese-Fabrik oder auch Briefkastenkolonien.

Langnese im Schnee

Da wir mittlerweile ca. 2,5 mal um die Insel gefahren sind entscheiden wir uns nach dem Aufenthalt in unserer „Privat-Herberge“ (im übrigen mit eigener Dusche und Klo!) aufs Festland zurück zu fahren und uns dort noch ein wenig Schweden anzuschauen. Genauergesagt wollten wir Malmö sehen. Also ab durch die Mitte und quer durchs Land nach Süden. Bis kurz vor Växjö hielten wir IKEA im übrigen für einen Riesenfake! IKEA kommt angeblich aus Schweden. Also muss es in Schweden davon ja wimmeln. Aber nichts. Keine Werbung, kein Ikea! Doch da, da stehts ganz klein. Juhu wir haben einen gefunden! Der Beweis ist erbracht, es gibt ihn doch!

Briefkästen

In Malmö finden wir dann ein Wanderheim bzw eine Jugendherberge die sich Villa nennt. Und tatsächlich, wir sind in einer! Verzierte Heizkörper, Prunkvolle Lüster, Stuck an den Wänden, einfach der Wahnsinn!

Das war dann auch im Großen und ganzen das Ende des Roadtrips, wir haben am Donnerstag dann noch das Auto in Lund zurückgebracht und waren ab diesem Zeitpunkt leider wieder zu Fuß unterwegs. Ohne Eiergrill, ohne Tempomat, ohne Musik.
Bleibt abschließend nur noch zu sagen, dass man in Schweden für die Kreditkarte eine PIN braucht (nein keine Unterschrift wie im Rest der Welt), die Tankautomaten rücksichtslos sind und kein Wechselgeld rausgeben (!!!), die Einkaufszentren erst gegen 10 Uhr aufmachen und selbst um 11 Uhr grade mal ein paar verschlafene Schweden dort anzutreffen sind, man egal wo immer eine Nummer ziehen muss (auch beim Bäcker um die Ecke!) und dass das schwedische Verkehrssystem genial ist!

Unser Astra war zum Schluss nichtmehr goldfarben sondern schwarz, hatte ca. 1300 Kilometer mehr auf dem Tacho (ja wir haben die 14000 und die 15000 voll gemacht!) und bei der Abgabe bestimmt der sauberste Mietwagen den man je zurückgebracht hat!

Astra von hinten
Astra von vorne

War ein lustiger Trip der unbedingt wiederholt werden muss! Wir waren ja bisher nur in Südschweden!
Vielen Dank auch an meine super Beifahrerin, die immer wusste in welche Himmelsrichtung wir mussten und das ohne Karte!

Rhea morgens neben mir im Auto


Einen wichtigen Verbesserungsvorschläge gibts auch schon: Auto mit Heckantrieb, auch wenns doppelt so viel kostet!

Sorry dass es so lang geworden ist, aber diese vier Tage kann man nicht in ein paar Sätze quetschen!


Geschrieben von Peter

 

 
 
 
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