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The Great 67

 

Stephan schläft

Ein Traum geht in Erfüllung – oder ein kleiner Bub vor einem großen Auto!

„Das Jahr geht so weiter wie es angefangen hat“ – wenn dieser Spruch stimmt kann das Jahr kommen!
Wir schreiben den 5.1. des Jahres 2006 – und haben bereits zwei Autos gekauft.

Diese Geschichte könnte man aufziehen wie ein echtes Märchen – es war einmal …

In unserer Familie ist genetisch das Blut nicht viel anders wie Benzin – will heißen jeder hat es irgendwie mit Autos oder Bikes.
Und wie auch ich ist mein Bruder nicht zu bremsen. Ein kleiner Unterschied ist lediglich die Wahl des „Lieblingsautos“, das hat dieses Weihnachten mein Onkel recht passend formuliert:
Der Christoph kauft einfach jedes Auto was ihm gefällt – und der Stephan hat einen einzigen Traum.
Und so ist es schon seid ich mich erinnern kann dieses eine beim Stephan – der Oramac .

Oramac heisst Camaro rückwärts – ich muss ihn so nennen weil ich Camaro einfach nicht mehr hören kann.
Sollte im Beisein meines Bruders irgendein Gespräch über Autos anfangen schwenkt er – egal um was es eigentlich geht – auf den Oramac um. Wild gestikulierend wird dann der Sound des V8 nachgeahmt und man sieht förmlich wie es den Stephan vor lauter Beschleunigung in den Barhocker der Kneipe presst.

Nun ja – zum Glück steht ein 67er Camaro (und nur dieser) an jeder Hausecke für Kleingeld rum. So ist es bis zum heutigen Tage auch noch nicht zur Erfüllung seines Traums gekommen – ein gutes Exemplar gibt’s kaum und wenn für ein Vermögen.

Anfang Dezember war dann alles anders – Brüderchen fand ein rolling Chassis – in „Oschatz“.
Sollte ihnen diese Ortschaft nichts sagen – macht nix, sagt nämlich niemandem was. Is jedenfalls zischen Dresden und Leipzig, also ziemlich genau 500km weg von zu Hause im Lande „Osten“.
Wohl hat sich der Stephan so gut mit dem Besitzer am Telefon verstanden, dass er ausgehandelt hatte, dass das Auto nach Weihnachten bei besserem Wetter abgeholt werde.
Hat mit mir garnix zu tun – hätte die EU nicht diesen völlig kranken Führerschein entwickelt – mit dem einfach nur ich so ein Gespann fahren darf.

In letzter Zeit is der Stephan dann immer gribbeliger geworden – ob das jetzt an dem Auto lag oder an einer neuen Bekanntschaft – ich denke beides…

Also, Sprinter mieten, Trailer mieten und … ach Mann, der Frosch steht ja noch in der Garage.
Frosch (neudeutsch: C Kadett 12SR in Opelsignalgrün) muss umziehen in meine Werkstatt und zwar bis zum kommenden Morgen.
Naja, Batterie anklemmen, er im Frosch, ich im Sprinter, Batterie leer, eine Stunde auf Starterkabel warten, Feuer aus Vergaser, läuft, auf geht’s!!!
Die Überführung hat trotz abgefahrener Sommerreifen gut geklappt (Nachahmung nicht empfohlen).

Ab ins Bett und schlafen, morgen is ja ein anstrengender Tag!! Um 5.20 ist die Nacht für mich vorbei, duschen, frühstücken – Stephan wecken. Stephan is aber nicht da!!! Bett leer!!!
Naja, kurz vor Abfahrt kommt er dann zur Haustür rein – war halt unterwegs….bei der neuen Bekanntschaft.

Ok, Trailer dran, Becker Frühstück holen und dann noch den Flo holen, der am Vorabend wohl mehr als Überredungskunst brauchte um Franzie zu erklären, dass er um 6 aufstehen muss.
Beim Lösen der Handbremse bin ich dann wegen Berührung kalten Metalls ziemlich erschrocken – und auf die Frage hin, was da neben meinem Sitz liegt kam nur „Ich hab mal den Basi ("Basi" = Der Baseballschläger ist ein im Baseball- und Softball-Sport verwendetes Sportgerät. Er muss im Querschnitt kreisrund sein, darf maximal 42 Zoll (= knapp 107 cm) lang sein und an der stärksten Stelle einen Durchmesser von höchstens 2,75 Zoll (= knapp 7 cm) aufweisen. Sein Gewicht liegt gewöhnlich zwischen 28 und 35 Unzen (= rund 800 bis 1000 Gramm), das ist aber nicht Vorschrift. http://de.wikipedia.org/wiki/Baseballschläger) eingepackt – ich hab einen Haufen Kohle dabei…“

Stephan schläft immer nochStephan schläft auch hier immer noch

Der Frau im Navi noch schnell erklären wo wir hinwollen und schon bewegt sich das elend lange Gespann Richtung Ausland.
Irgendwie leidet der Stephan am „Ortschildsyndrom“ – bedeutet: passiert man das Ortschild schläft man ein!
Und so hat der Stephan ganz solidarisch 6 Stunden gepennt während der Flo und ich nach „Osten“ gefahren sind um SEIN Auto zu holen. Offensichtlich hätten wir im Fall der Fälle dann auch mit unserem neuen Kumpel „Basi“ sein Geld verteidigen sollen…
Wir haben gute Mucke gehört und hatten jede Menge Spaß – und haben doch tatsächlich die Grenze verpennt. Als „Zwickau“ auf den Schildern stand waren wir völlig verängstigt – willkommen in „Osten“ – weit weit weg von zu Hause – von Bayern.

Ossi

Naja, rock it, die Fahrt hat sich ewig gezogen, irgendwann ist der Stephan dann auch mal aufgewacht – hat eine geraucht und ein Bier aufgemacht.
Irgendwann kreuzte dann auch der erste Trabbi unseren Weg, was wir gebührlich gefeiert haben.
20km vor „Oschatz“ werden wir gribbelig – bald sind wir da. Denkste, in diesem „Osten“ sind die Straßen so was von für den A…., alles kaputt, überall Baustellen – sogar die Frau aus dem Navi war total verwirrt.
Nach fünfmaligem Ortschaftsumrunden mangels Ortseingang konnten wir endlich ankommen.
Schnell haben wir dann auch das Motorradgeschäft der Verkäufer gefunden – und sind dann auch gleich zum Objekt der Begierde in einer alten Industriewerkstatt gefahren.

Der Camaro

Beeindruckt hat mich das Bauwerk mit Büroräumen, Lager, Werkstatthalle, zwei Doppelgaragen und einer LKW Werkstatt mit Grube dann schon – zumal die Besitzer mir den Kaupreis nannten. Für so wenig Geld kaufen sich hier Leute ein Winterauto, unglaublich!!!
Aber naja – dafür hockt man dann in „Oschatz“…

Stephan sitzt Probe

Als dann das Tor aufging war der Stephan schon ein bisschen wirr – verständlicherweise.
So fiel er eigentlich erstmal über das nebenstehende fast fertige Projekt des Verkäufers her – weil da konnte man sich immerhin schon reinsetzen.
Anschließend folgte eine Begutachtung des Schweizer Camaros, der dort schon teilweise restauriert wurde.
Die Arbeiten sehen eigentlich sehr anständig aus – will heissen wir wollten ihn mitnehmen.

Der Camaro von vorne

Nachdem telefonisch schon der Umfang der mitzunehmenden Teile ausgemacht wurde und dieser Haufen auch schon parat lag ist glaub ich der Stephan auch ziemlich froh, dass wir doch nicht mit einem Kombi (wie er anfangs geplant hatte) sondern mit einem fetten Sprinter gefahren sind.
Meine Kommentare „hey wir müssen hier ein gutes Geschäft machen, sonst reißt unsere Mom uns den Arsch auf…“ hätte ich mir vielleicht besser gespart, dann hätten wir auch nicht solange rumgehandelt und den V8 plus Getriebe und Hurst Shifter auch noch mitgenommen…

Trailergespann am Sprinter mit Camaro

Naja, während Flo und Stephan unten einräumten habe ich oben noch Krümmer und einen dreireihigen Kühler rausgehandelt.
Irgendwann war der Sprinter dann voll und wir haben das Chassis auf den Hänger gepackt.

Tief is er!

Abschließend haben wir uns dann noch das fertige 67er Cabrio ansehen dürfen und da muss ich schon sagen, dass so ein Amibock schon ganz putzig aussehen kann….
So, noch Papierkrieg fertig machen und dann schau ich genussvoll zu, wie sein Bruder fast sein ganzes aus Kindheitstagen gespartes Geld auf den Tisch legt – Kumpel „Basi“ hat so lange im Auto gewartet.
Als ein Kunde dann noch den Motorradshop mit den Worten „Güüüdn doooog“ betritt weiss ich, dass die Sketche im TV keine Witze sondern bittere Realität sind, der Blickkontakt mit Flo verrät – zwei Männer ein Gedanke – wir sind immer noch im Ausland, also schnell ab nach Hause.
Mit über einer Stunde Verzögerung von (dem mir erstellten) Zeitplan verlassen wir „Oschatz“.
Wie es kommen musste flippt die Dame im Navi gänzlich aus und kommt mit den gegebenen Informationen überhaupt nicht klar – dies führt zu einer Irrfahrt durchs Hinterland und endet in einem Feldweg, der in einem Acker ausläuft.
Während die blöde Henne im Navi standhaft behauptet, dass dort eine Straße ist muss ich in Dunkelheit mit diesem Gespann auf einem verschneiten Feldweg ziemlich weit zurücksetzen….

Naja, die Autobahn haben wir nach wiederholter Ladungssicherung dann auch gefunden, erwähnenswert ist noch, dass in „Osten“ sogar die Chicken- und Cheeseburger anders schmecken.

Es dauert nicht lange und Stephan gibt sich wieder dem Schönheitsschlaf hin…

Der Flo und ich schmeißen eine 70s Rockkassette ins Radio und ich sehe beruhigt den 67er im Beat der Musik im Rückspiegel wippen. Offensichtlich gefällts ihm bei uns.

Bei einem Spurwechselmanöver hätte unser kleiner Racker dann fast noch ein Plastikauto angegriffen – aber was kann denn ich dafür wenn die Golffahrer sich im toten Winkel verstecken…

Das absolute Highlight war noch die Raststätte Vogtland – da werde ich wenn mir mal richtig langweilig ist zum pinkeln hinfahren!!! So eine Autobahntoilette habt ihr noch nie gesehen, da kann man sich locker zum pennen und essen treffen, so sauber und chic ist das da.

Die wohl beste Raststätte der Welt

Das mein kleiner Bruder bei jedem Pinkelstop (und den hat er im Stundentakt gebraucht) immer wieder hinter dem Sprinter verschwunden ist und ich ihn dann brüllend um sein Auto tanzend sehen konnte hat mich schon gefreut.
Ab und zu musste er ihn dann auch umarmen und mit ihm kuscheln – und er hat sich fürchterlich über die gesalzene Autobahn aufgeregt – die seinem kleinen so einen „whitepearleffekt“ – look verpasst hat.

Die Jungs sind drauf

Jetzt weiss ich endlich ungefähr wie das aussieht wenn einer so ausflippt – sonst bin ich ja für so was bekannt.

Die Jungs sind drauf im Sprinter

Naja, tanken, essen, kaffee trinken hoch drei, und zäh die letzten paar hundert km runterspulen.
Gegen Ende der Reise bin ich zunehmend fertiger – die einzige Freude gilt dem Bier, welches ich mir nach Ankunft aufmachen werde.
In der letzten Stunde verabschiedet sich auch mein treuer Beifahrer Flo mit den Worten „die letzte Stunde bekomm ich nicht mehr mit“….
Das Leben auf der Straße, nur ich, die Maschine, gute Musik und ein 67 Oramac im Schlepptau …. So könnte die Hollywood Version der letzten Autobahnkilometer aussehen.

Motor abladen

ANKUNFT!!! Eine Horde Wilder trifft mit uns beim neuen Zuhause des Coupes ein – offensichtlich hat die Aussicht auf Bier, die der Stephan während der Heimfahrt per Handy verbreitet hat gewirkt – die Horde hilft ausladen.
Der putzige V8 wird mittels Spanngurten aus der Karre gewuchtet, die Pustgeräusche und aus den Augenhöhlen quellenden Augen lassen mich schmunzeln während ich das ganze Prozedere filme – ich habe heute genug getan, ich schau einfach nur zu.

Er steht in der Garage

Nachdem ich den Hänger weggebracht habe liefert Stephan noch den Sprinter ab und bringt Kumpel „Basi“ ins Bettchen.

Ich mache mir währenddessen mein wohlverdientes Bier auf – Freude habe ich nicht lang dran!
Während ich Bier nuckele fragt sich mein ich wer wohl dieser fertige Typ auf dem Sessel ist, um den sich die Welt zu drehen beginnt und der das Gefühl hat auf 2 Meter waagrecht an eine Wand reihern zu können. Und während sich mein Kreislauf nun völlig verabschiedet verstehe ich, dass der fertige Typ ich bin - und das den irgendeiner ins Bett bringen muss weil er einfach am Ende ist.
Flo02 fährt mich freundlicherweise nach Hause – als er weg ist stelle ich glücklicherweise fest, dass ich keinen Haustürschlüssel bei mir habe.

Da ich im T-Shirt bei -7°C draußen stehe beschließe ich schließlich mit Eisplatten gegen den Rollo zu werfen und wecke so zärtlich meine Freundin.
Im Bett angekommen kann ich nichtmal mehr denken – 14,5 Stunden am Steuer ohne Fahrerwechsel und ein Tag, der um 5.20 angefangen hat und um 2.00 endet hinterlassen seine Spuren.

Jungs vorm Hänger

Das Statement unserer Mom, dass die Aktion schon ganz schön unvernünftig war unterschreibe ich gerne – grinsend.

Irgendwie macht es mir schon Spaß zu sehen, wie sich der kleine Stephan (der bestimmt nicht mehr größer wird) seinen großen Traum erfüllt, auf den er schon so lange hinarbeitet.
Ich wünsch ihm mal viel Glück und Spaß mit den Projekt – dass ist es nämlich, ein richtiges Projekt.

Dem Flo möchte ich noch für die Unterhaltung am Steuer danken, ohne die ich echt komplett abgekackt hätte.

Abschließend sei noch gesagt: Wenn ihr euch mal bei bekannten Unternehmen einen Sprinter leiht – checkt vorher mal ob die Lüftung/Heizung funktioniert – dann wird’s nach 15 Stunden im Auto bei -7°C auch nicht so kalt. Und die Trennscheibe zum Heck ist übrigens auch wichtig – wenn die drin ist müsst ihr auch keine aus Pappe reinkleben.
Und wenn dann noch die Scheinwerferregelung funktioniert wenn ihr beladen seid habt ihr schon fast gewonnen – bei uns war nichts davon der Fall!

Da hab ich mir schon avisall meine Gedanken gemacht….

Geschrieben von Christoph

 

 
 
 
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